Krefeld: Venue-Betrieb „dauerhafte Verlustsituation“

Ohne kommunale Betriebszuschüsse wäre ein Betrieb der zwei größten Veranstaltungslocations in Krefeld, dem Seidenweberhaus und der YAYLA Arena, beide betrieben durch die städtische Seidenweberhaus GmbH, nicht möglich. Fast 4 Mio. Euro musste die Stadt im vergangenen Jahr zuschießen.

Trotz eines vollen Veranstaltungskalenders in beiden Venues schließt die Seidenweberhaus GmbH, 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadt Krefeld und Betreiber des Seidenweberhauses, einer vor allem für kulturelle Veranstaltungen genutzten Halle in Krefeld, und der YAYLA Arena, der größten Indoor-Arena in Krefeld und Heimspielstätte der Krefeld Pinguins, mit einem Fehlbetrag von rund 3,7 Mio. Euro.

Der Betrieb der beiden Arenen ist für die Stadt Krefeld somit seit Jahren ein Verlustgeschäft, die Verantwortlichen sprechen im aktuellen Wirtschaftsbericht aus dem Jahr 2023 von einer „dauerhaften Verlustsituation“. Ein Betrieb ohne kommunale Zuschüsse sei nicht möglich.

Für das Jahr 2024 wurde demnach ein Zuschussbedarf von rund 3,94 Mio. Euro prognostiziert, im Jahr 2025 dürfte dieser mit erwarteten 3,87 Mio. Euro nur geringfügig fallen. Die finanziellen Zuschüsse für die Jahre 2024 und 2024 wurden nun vom Finanzausschuss der Stadt Krefeld bewilligt.

Auch im Kalenderjahr 2022 war die Seidenweberhaus GmbH aufgrund eines Jahresfehlbetrags in ähnlicher Größenordnung (2022: 3,48 Mio. Euro) auf städtische Zuschüsse angewiesen.

YAYLA Arena: Steigende Erlöse, steigende Kosten

Insgesamt fanden in der YAYLA Arena im vergangenen Jahr 7 Veranstaltungen, 20 Trainingstage und Nachwuchssichtungen im Bereich Eishockey sowie ein Team-Event auf dem Eis und 19 weitere Business-Events im Tagungsbereich der Arena statt – neben insgesamt 32 Eishockey-Spielen der Krefeld Pinguins. „Die durchschnittlichen Zuschauerzahlen konnten im Vergleich zum Vorjahr übertroffen werden“, heißt es im aktuellen Wirtschaftsbericht der Seidenweberhaus GmbH. „Vor dem Hintergrund der sportlichen Ergebnisse und trotz der gestiegenen Kosten lagen die Deckungsbeiträge im Umfeld der Eishockeyspiele im geplanten Umfang.“

Vor allem die sportliche Leistung der Krefeld Pinguins mit mehreren Playoff-Auftritten in der Krefelder Arena hatte dazu beigetragen, dass die Umsatzerlöse im vergangenen Jahr deutlich höher ausfielen als in den Vorjahren: „Die Umsatzerlöse sind im Vergleich zum Vorjahr stark gestiegen und haben auch die Planzahlen übertroffen. Da durch das Erreichen der Playoffs insgesamt 32 Eishockeyspiele stattfanden und keine Einschränkungen im Vergleich zum Vorjahr bei den Zuschauern waren, lagen gerade die Pachtumsätze im Gastronomiebereich sehr deutlich über dem Niveau des Vorjahres.“ Auch die Umsätze im Sponsoring konnten im vergangenen Jahr deutlich erhöht werden.

Dass der Fehlbetrag im Jahr 2024 trotz gestiegener Umsatzerlöse (2022: 1,7 Mio. Euro; 2023: 1,9 Mio. Euro) sogar höher ausfällt als noch im Vorjahr, ist vor allem auf gestiegene Kosten in verschiedenen Bereichen zurückzuführen: So sind allein die Personalausgaben im vergangenen Jahr um rund 155.000 Euro gestiegen (2022: 1,82 Mio. Euro; 2023: 1,97 Mio. Euro). Gestiegene Energie- und Materialkosten taten im vergangenen Kalenderjahr ihr Übriges: „Die Veranstaltungskosten im Bereich Reinigung, Catering und Umbauten sind, verursacht durch die anhaltende Inflation, gestiegen und die Aufwendungen sind somit höher als geplant. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Energiekosten höher, was sowohl auf die Preissteigerung als auch auf den Verbrauch zurückzuführen ist. Durch die Energiepreisbremse konnten die Planzahlen trotzdem eingehalten werden. Die Personalkosten sind im Vergleich zu den Vorjahreszahlen gestiegen, unter anderem durch die Mindestlohnerhöhung im Bereich der Aushilfen und durch die Ausweitung des Stellenplans im IT-Bereich. Die Planzahlen wurden leicht überschritten, was an den tariflichen Inflationsausgleichszahlungen an die Arbeitnehmer lag.“

Ein wesentlicher Punkt, der im vergangenen Jahr zu gestiegenen Betriebskosten führte, ist der generelle Zustand, in dem sich die 2004 eröffnete Arena mittlerweile befindet: „Die Instandhaltungskosten und sonstigen Kosten sind gestiegen, da bedingt durch das Alter der Arena mehr Reparaturen erforderlich waren. Die sonstigen Aufwendungen liegen insgesamt über dem Niveau der Planzahlen und des Vorjahreszeitraums, da die Preissteigerungen, verursacht durch die anhaltende Inflation, insbesondere im Bereich der Wartungs- und Reparaturarbeiten Auswirkungen zeigen.“

In den kommenden Jahren dürften dann noch weitere wesentliche Investitionen in die technische Infrastruktur der YAYLA Arena hinzukommen: „In den nächsten Jahren fallen notwendige Investitionen in der YAYLA ARENA in den Bereichen Marketing, IT, Gebäudetechnik und Veranstaltungstechnik an. Dies bedeutet, dass im Jahr 2024 während des laufenden Betriebs und in der Sommerpause z. B. ein neues Intercom System eingebaut, der Boden in der Heim- und Gästekabine erneuert und die Kälteanlage in der YAYLA ARENA umgerüstet werden. Die bisherige Beleuchtung der Piktogramme in der YAYLA ARENA wird durch LED-Beleuchtung ersetzt, um weiter Stromkosten einzusparen.“

Seidenweberhaus: Weniger Veranstaltungen als im Vorjahr

Mit insgesamt 91 Veranstaltungen haben im Seidenweberhaus im vergangenen Jahr deutlich weniger Events stattgefunden als noch im Vorjahr – 2023 waren es noch insgesamt 135 Shows und Events. Einen Grund hierfür sieht die Seidenweberhaus GmbH vor allem in der Tatsache, dass die Stadt Krefeld ihre Ratssitzungen seit der Corona-Pandemie nicht mehr im Seidenweberhaus abhält. Der Wortlaut im Wirtschaftsbericht: „Die Veranstaltungsumsätze sind dennoch nur geringfügig niedriger gegenüber dem Vorjahr, da die Art der Veranstaltungen sich wieder an den Vor-Corona-Jahren orientiert. Es finden wieder mehr Messen, Kongresse und Shows statt. Die Gesamtumsätze sind gegenüber dem Jahr 2022 leicht gesunken, haben aber das Niveau der Planzahlen erreicht, da auch im Jahr 2023 alle Räumlichkeiten im Seidenweberhaus vermietet wurden.“

Auf Kostenseite stand das Seidenweberhaus vor vergleichbaren Problemen wie die YAYLA Arena: Gestiegene Personal- und Materialkosten, die allgemeine Inflation und ein vermehrter Aufwand bei Wartung und Reparatur – vor allem der seit 1976 in Betrieb befindlichen Heizungs- und Lüftungsanlagen – schlug im vergangenen Jahr mit deutlich höheren Ausgaben zu Buche als noch im Vorjahr.

Kommunale Zuschüsse: Auch eine Frage des Wettbewerbsrechts

Somit ist es aus Sicht der betreibenden Seidenweberhaus GmbH weiterhin zwingend erforderlich, den Betrieb der beiden Venues mit jährlichen Zahlungen durch die Stadt Krefeld zu unterstützen. Wie lange und in welchem Umfang dies in Zukunft noch möglich sein wird, hängt auch vom europäischen Wettbewerbsrecht ab, wie aus dem aktuellen Wirtschaftsbericht hervorgeht: „Die Stadt Krefeld prüft angesichts der Dynamik des europäischen Wettbewerbsrechts laufend, welche beihilferechtlichen Anforderungen an die kommunale Förderung von Multifunktionshallen gestellt werden. Da klare Abgrenzungskriterien weiterhin nicht vorliegen, können Risiken in diesem Bereich nicht vollständig ausgeschlossen werden.“ (Stadionwelt, 29.08.2024)

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