Bürstadt: Neuer Bildungs- und Sportcampus fertiggestellt
Sportanlagen für Leichtathletik, Fußball, Kunstrad und Bogeschießen, multifunktional nutzbare Freiflächen, Parkour, Calisthenics und Bouldern – auf mehr als 6 Hektar haben die LS² Landschaftsarchitekten in Bürstadt einen modernen Bildungs- und Sportcampus geschaffen.
Bürstadt ist eine der am südlichsten gelegenen Städte in Hessen. Ländlich eingebettet, aber doch mit einem lebendigen städtischen Kern ist Bürstadt in einer starken, städtebaulichen Entwicklungsphase. Als Zuzugsgemeinde mit knapp 18.000 Einwohnern und mehr als 100 Vereinen und Gruppierungen bietet die Stadt den Bürger/-innen eine gute Lebensgrundlage.
Besonders hervorzuheben sind umfangreiche Sport- und Bewegungsaktivitäten, aktuelle Projekte wie die Entwicklung zur Gesundheitsstadt oder die Förderung der aktiven Kernbereiche. Zu den bedeutendsten Projekten gehört neben der alla hopp!-Anlage am Rathaus die Entwicklung des Bildungs- und Sportcampus im Osten der Stadt an der Nibelungenstraße.

Das über 6 Hektar große Gelände war im Ursprung ein eher klassisches Sportgelände, genutzt von einzelnen Vereinen in ihren jeweiligen Bereichen. Es gab kaum Flächen, die gemeinsam genutzt werden konnten. Das gesamte Areal war sehr stark überaltert, nur in kleinen Teilbereichen sinnvoll nutzbar und in der Grundausstattung auf lange Sicht einfach nicht zukunftsfähig.
Bereits im Jahr 2015 gab es erste Überlegungen zur Umplanung der Sportanlage. Nach vielen Konzepten lag 2018 ein erster Vorentwurf vor. Das Gesamtareal sollte zu einem großen Sport- und Bewegungspark weiterentwickelt werden. Es sollte ein überwiegend offenes Sportgelände entstehen, das für die Vereinsnutzungen multifunktional entwickelt wird und für alle Bürger/-innen von Bürstadt offen zugänglich ist. Das betrifft speziell auch Schulen und Kindergärten. Die Förderung von Kindern und Jugendlichen steht im Vordergrund. Die Integration des Jugendhauses und der künftigen Bewegungskita ist ein wichtiger Aspekt.

Neben den klassischen Sportarten Leichtathletik, Fußball, Kunstrad und Bogenschießen, die durch die Vereine angeboten werden und einer gezielten Trainingssteuerung bedürfen, war es das Ziel, multifunktionale Freiflächen zu entwickeln für Crossoversportarten und Bewegungsförderung für alle Menschen. Neben Trendsportarten wie Parkour- und Calisthenics sowie einer Boulderwand wurden verschiedene Outdoorfitnessgeräte berücksichtigt. Eine Besonderheit stellt der Ninja-Parcours, bekannt aus dem Ninja-Warrior-Fernsehkonzept, dar. Die Fun-Kurzstreckenlaufbahn mit Kunststoffbelag vereint herkömmliches Lauftraining für Schulsport mit einem zusätzlichen Spaßfaktor durch eingebaute Wellenbereiche für jedermann.

Im Prinzip ist der gesamte Campusbereich für alle Altersgruppen geeignet und ausgelegt. Da jedoch speziell Kinder nicht alle Einrichtungen und Geräte voll nutzen können, gibt es im Osten der Anlage ein altersgerechten Spielplatzbereich speziell für die jüngeren Nutzer.
Weitere Trainingsmöglichkeiten oder Freizeitsport sind in der neu entstandenen Freilufthalle mit einem Boden aus Kunststoffbelag gegeben. Durch den Witterungsschutz vor Sonne und Niederschlägen ermöglicht sie speziell auch den Kindern aus der angrenzenden Bewegungskita verschiedenste Aktivitäten. Alle Vereine sollen profitieren und zusätzliche, effektive Möglichkeiten zum Trainieren auf sonstigen Teilflächen des Areals vorfinden.
Der Erfolg des Sportcampus beruht unter anderem auch auf der Beteiligung der verschiedenen Nutzergruppen (Vereine, Schulen, Jugend, Senioren) bereits zu Beginn des Planungsprozesses in Form von Beteiligungsverfahren und Workshops.

Neben Sport- und Bildungsaspekten spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle, nicht nur bei der Wahl der Materialien. Das neue Campusgebäude besteht, von der Bodenplatte abgesehen, größtenteils aus Holz. Für viele Innenwände wurde Stampflehm verwendet.
Ein speziell für den Campusbereich sowie das angrenzende Freibad und die aktuell im Bau befindliche Bewegungskita erstelltes Energiekonzept verfolgt das Ziel, die Anlage nahezu klimaneutral aus erneuerbaren Energien zu versorgen. Ein intelligentes Beleuchtungskonzept für die Außenanlagen reduziert den Energieverbrauch auf ein Minimum. Das entstandene Areal- und Wärmestromnetz wird zukünftig weitere Bereiche in Bürstadt nachhaltig versorgen.

Ein Projekt diese Größenordnung ist für eine Kleinstadt wie Bürstadt nur gemeinsam mit Partnerschaften, Unterstützern und Fördergebern zu realisieren. Die Baumaßnahme wurde von verschiedenen Fördergebern unterstützt, darunter je nach Schwerpunkt das Land Hessen, der Bund, das BAFA, die Dietmar-Hopp-Stiftung sowie weitere Förderer.
Projektbeteiligte:
Bauherr: Stadt Bürstadt und Jugendförderverein Bürstadt
Außenanlagen: LS² Landschaftsarchitekten, Darmstadt u. Frankfurt a.M.
Projektsteuerung: Drees & Sommer SE, Frankfurt a.M.
Hochbau: Prosa Architekten, Darmstadt
Energiekonzept: Team für Technik
Baufirma Außenanlagen: Schmitt & Scalzo, Stockstadt am Rhein
Die Förderkulisse bestand aus rund 10 Förderprogrammen. Die große Herausforderung war die Berücksichtigung verschiedener förderrechtlicher Vorgaben in Beantragung, Abwicklung und Verwendung von Mitteln sowie bei der Abgrenzung der einzelnen Fördergegenstände. Das Projekt wurde bereits vor Fertigstellung mit dem hessischen Landespreis Baukultur und dem Staatspreis für Architektur und Städtebau ausgezeichnet. Die Anlage wurde im September 2023 über mehrere Tage und Unterstützung politischer Prominenz eingeweiht. Restarbeiten werden im Juli 2024 fertiggestellt. (Sportplatzwelt, 16.07.2024)




