Fitness: Zwischen Training und Therapie
Der demografische Wandel und die zunehmende Individualisierung sorgen dafür, dass Sportvereine immer häufiger als Fitness-, Reha- und Gesundheitssportanbieter auftreten.
Der allgemeine Wandel des Sportverhaltens mit seinem zunehmenden Trend zu selbstorganisiertem Sport, der sich wesentlich besser mit der heutigen beruflichen und privaten Lebensrealität in Einklang bringen lässt als es bei klassischen Vereinssportangeboten mit festen Trainingszeiten der Fall ist, die fortschreitende Veralterung unserer Gesellschaft sowie ein gewisser Motivwandel bei der Auswahl sportlicher Angebote führen seit Jahren dazu, dass sich das Fitnesstraining mit mehr als 11,3 Mio. aktiven Sportlern im Jahr 2023 zu einer der beliebtesten Sportarten überhaupt entwickelt hat – mit steigender Tendenz: Seit Dezember 2021 ist die Zahl der Mitglieder deutscher Fitnessstudios um rund 22 % gestiegen.
Parallel stellen sportliche Leistungen und Wettkampf heute nicht mehr die wesentlichen Motive bei der Wahl eines Sportangebotes dar: Zahlreiche Studien belegen ein gesteigertes Bewusstsein für Gesundheit und Wohlbefinden, vor allem Ältere sind heute mehr denn je an einem gesunden und aktiven Lebensstil bis ins hohe Alter interessiert. Ernst Hengemühle, Vorstand des BTV Brühl, der bereits seit mehr als 15 Jahren ein vereinseigenes Fitnessstudio betreibt: „Der Fitness- und Gesundheitsgedanke ist in den letzten Jahren in allen Altersgruppen immer stärker geworden. Mit dem Bau unseres Fitnessstudios wollen wir vor allem Fitness der breiten Masse zu gänglich machen und den Einstieg in den Fitnesssport auch älteren Menschen erleichtern – das Image von ‚Muckibuden‘ hielt sich hier hartnäckig.“
Bei diesem Artikel handelt es sich um eine gekürzte Fassung. Die vollständige Version des Artikels finden Sie in der aktuellen Ausgabe 2-2026 des Sportplatzwelt MAGAZIN. Jetzt für Sportplatzwelt+ registrieren, um Zugriff auf das eBook zu erhalten.

Folgende weitere spannende Themen erwarten Sie in der Vollversion:
- Finanzierung durch Krankenkassen
- Steuerrechtliche Aspekte beim Betrieb vereineigener Fitnessstudios
- Exkurs: Fitness im Freien
Das Konzept entscheidet
Vereinen, die planen, ein eigenes Fitnessstudio zu eröffnen, muss eines klar sein: Sie stoßen in einen hart umkämpften Markt mit einer großen Anzahl privatwirtschaftlicher und hochspezialisierter Anbieter vor – und sehen sich diesen gegenüber sowohl mit Vor- und Nachteilen konfrontiert.
Auf der einen Seite sind sie in im Vergleich zu privaten Anbietern an bestehende Vereinsinfrastruktur gebunden und somit in ihrer Standortwahl eingeschränkt. Existieren beispielsweise im direkten Umfeld bereits vergleichbare private oder vereinseigene Angebote, gilt es, sich durch entsprechende Konzepte von der Konkurrenz abzuheben. Auf der anderen Seite haben solche vereinseigenen Angebote einen entscheidenden Vorteil: Aufgrund der steuerlichen Begünstigung gemeinnütziger Sportvereine sind die Kosten – sowohl für Mitglieder bzw. Kunden als auch den Verein – deutlich niedriger als beim Betrieb eines privaten Fitnessstudios.
Die Erarbeitung eines erfolgversprechenden Nutzungs- und Betriebskonzepts beginnt für den Verein dann wie so oft mit einer genauen Analyse der Ist-Situation, die sich in weiten Teilen der Instrumente der klassischen Konkurrenzanalyse bedient. Zunächst sollte geklärt werde, welche vergleichbaren Angebote bereits im Umfeld bestehen – seien es Fitnessstudios anderer Vereine oder privater Anbieter: Die Angebots- und Preisstruktur der Mitbewerber, ihre Mitglieder- und Kundenzahlen, angesprochene Zielgruppen, Stärken und Schwächen der Konkurrenz. Ist die Konkurrenz im direkten Umfeld hoch, müssen sich Vereine vor allem durch ihren Service, spezifische Angebote für sehr genau definierte Zielgruppen oder ihre Preisstruktur von der Konkurrenz abheben.
Aber nicht nur die bereits im Umfeld des geplanten Standorts bestehenden Angebote stellen einen wesentlichen Entscheidungsfaktor dar: Auch Einwohnerstrukturen, Altersstrukturen, Kaufkraft der Einwohner, sportliche Angebote und beliebte Sportarten im Einzugsgebiet sowie schlussendlich auch die Erreichbarkeit des Studios und die Zugänglichkeit des Gebäudes (gerade bei Angeboten für Ältere oder Menschen mit Behinderung) müssen in die Analyse einfließen.
Neben den bereits erwähnten, in der Regel deutlich niedrigeren Nutzungsentgelte im Vergleich zu privaten Fitnessanbietern locken vereinseigene Fitnessstudios vor allem mit einer deutlich intensiveren und persönlicheren Betreuung durch das bereits im Verein vorhandene Trainer- und Übungsleiterteam – die ideale Grundlage für kostenpflichtige Fitness-, Rehasport- und Gesundheitssportkurse. Und auch auf Seiten des Vereins können sich wertvolle Synergieeffekte ergeben, die weit über die reine Mitgliedergewinnung hinausgehen: Sportvereine mit umfassendem Kursangebot können so schnell zum generationen übergreifenden Sportanbieter für die gesamte Familie werden. So können beispielweise Kinder allein am betreuten Kinderturnen teilnehmen, während die Eltern dem Fitnesssport nachgehen – ein Service, den nur wenige private Fitnessstudios bieten können.
Ob es ich nun um ein rein Fitness- und Kraftsport-orientiertes oder ein auf das funktionale Training für Senioren ausgelegtes Studio handelt – die Positionierung des Studios ist einer der größten Erfolgsfaktoren. Im Rahmen der Positionierung, die sich schlussendlich auch auf die Geräteauswahl, die angebotenen Kurse und weitere Angebote vor Ort auswirken wird (z. B. Wellness-Bereiche, Gastronomie), gilt es vor allem zu ermitteln, welche Zielgruppen im geplanten Einzugsgebiet aktiviert werden können, welche Angebote von den Vereinsmitgliedern nachgefragt werden und welche Angebote künftig von potenziellen Neumitgliedern nach gefragt werden könnten. Schlussendlich sollten auch aktuelle Trends aus der Fitness- und Gesundheitsbranche im Konzept berücksichtigt werden – aber aufgrund der teils hohen Schnelllebigkeit der Branche nicht der alleinige Fokus des geplanten Konzepts sein. [...]
(Sportplatzwelt, 13.08.2026)


















