„Aufwachsen mit Sport und Bewegung ist ein Grundbedürfnis“
Die Deutsche Sportjugend (dsj) fordert in einer aktuellen Resolution u.a. den Ausbau niedrigschwelliger Sport- und Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche – und liefert konkrete Handlungsempfehlungen.
Neben dem Vorhaben der dsj, sich künftig an den DOSB Safe Sport Code zu binden, waren vor allem zwei „richtungsweisende“ Resolutionen Gegenstand der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses der Deutschen Sportjugend (dsj) am 25. Oktober: Die Resolution „Mehr Bewegung und Teilhabe ermöglichen – ressortübergreifend handeln für Kinder- und Jugendsport“ sowie die Resolution „Für eine resiliente Gesellschaft: Freiwilligendienste im Sport stärken!“. Erstere Resolution geht dabei mit konkreten Handlungsempfehlungen für politische und sportpolitische Akteure einher.
Mehr Bewegung und Teilhabe im Kinder- und Jugendsport
Die dsj betont in erstgenannter Resolution, dass Bewegung, Spiel und Sport für ein „kind- und jugendgerechtes Aufwachsen ein gesamtgesellschaftlich notwendiges Handlungsfeld“ darstellen würden, niedrigschwellige Angebote ein Beitrag zu Teilhabe, sozialer Gerechtigkeit, Gesundheit und Demokratieförderung seien und die Verantwortung für Bewegungsförderung nicht nur bei der Sportpolitik liege, sondern das koordinierte Handeln mehrerer Politikbereiche – auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene – erfordere.
Neben der frühkindlichen Bewegungsförderung und der Gestaltung des Ganztags mit Sport- und Bewegungsangeboten durch Kooperationen mit Sportvereinen fordert die dsj deshalb die politischen Entscheidungsträger unter anderem dazu auf, „die Rolle des organisierten Sports und der Jugendverbandsarbeit als Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe systematisch zu berücksichtigen und einzubinden“.
Aus diesem Grund hat die Deutsche Sportjugend nun konkrete „Handlungsempfehlungen zum Ausbau niedrigschwelliger Sport- und Bewegungsangebote“ veröffentlicht, die dabei helfen sollen, den Ausbau niedrigschwelliger Sport- und Bewegungsangebote voranzutreiben und sowohl Bewegung als auch soziale Teilhabe bei Kindern und Jugendlichen aus allen gesellschaftlichen Gruppen zu verbessern. Die Handlungsempfehlungen basieren dabei u.a. auf dem Ergebnisbericht der AG „Vierter Deutscher Kinder- und Jugendsportbericht“ der Sportministerkonferenz (2022), dem Abschlussbericht der AG 4 „Freude an Bewegung und Sport früh verankern“ zum Entwicklungsplan Sport (2023) und dem Konsenspapier „Runder Tisch Bewegung und Gesundheit“ (2024).
Handlungsempfehlungen zum Ausbau niedrigschwelliger Sport- und Bewegungsangebote
Niedrigschwellige Sport- und Bewegungsangebote im schulischen Kontext, im öffentlichen Raum und im Sportverein bergen erhebliches Potenzial, die motorische, sozial-emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen positiv zu beeinflussen und schaffe Räume für Inklusion, Selbstbewusstsein und Chancengerechtigkeit.
Die dsj in ihren Handlungsempfehlungen: „Die mit Sport verbundene körperliche Aktivität ist insbesondere für die Gesundheit und das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen maßgeblich […]. Bewegung trägt darüber hinaus zum Klimaschutz bei, wenn Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zurückgelegt werden. Inklusion muss auch im Sport ein wirksames Handlungsprinzip sein, deshalb liegt ein besonderer Fokus auf der Bedeutung von Sport und Bewegung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung und chronischen Erkrankungen. Diese Gruppen profitieren besonders von individuell angepassten Sport- und Bewegungsangeboten, die nicht nur die motorische und gesundheitliche Entwicklung fördern. Sie ermöglichen auch soziale Teilhabe und den Abbau von Barrieren.“
Der zunehmende Bewegungsmangel bei Kindern und Jugendlichen erhöhe nach Ansicht der dsj jetzt den politischen Handlungsdruck zum Ausbau niedrigschwelliger Sport- und Bewegungsangebote.
Um den Ausbau niedrigschwelliger Sport- und Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche voranzutreiben, hat die dsj ganze fünf Handlungsfelder identifiziert und diesen jeweils Handlungsempfehlungen zugeordnet:
1. Bewegungsförderung in Kindertageseinrichtungen ausbauen
- Sport- und bewegungspädagogische Inhalte in der Ausbildung verankern
- Bewegungsförderung in Orientierungsplänen stärken
- Fortbildung und Beratung fördern
- Zertifizierungsprogramme für Bewegungskitas entwickeln
- Kooperationen mit Sportvereinen ausbauen
- Bewährte Bewegungsprogramme integrieren
- Räumliche Voraussetzungen für Bewegung, Spiel und Sport verbessern
2. Ausreichend Sport- und Bewegungsangebote in der Schule sichern
- Drei Stunden Sportunterricht pro Woche ermöglichen
- Ergänzende Sport- und Bewegungsangebote ausbauen
- Kooperationen mit Sportvereinen stärken
- Anreizsysteme zur Motivation nutzen
- Schulsportwettbewerbe zielgerichtet weiterentwickeln
3. Tägliche Bewegungs-, Spiel- und Sportangebote im Ganztag verankern
- Verlässliche Partnerschaften zwischen Sportvereinen und Trägern des Ganztags ermöglichen
- Qualifizierung des pädagogischen Personals
- Standardisierung der Qualifikationen
- Einsatz von Freiwilligendienstleistenden fördern
- Rechtssicherheit für Sportvereine sicherstellen
- Koordinierung entwickeln
- Ausbau von Sportstätten und Materialien sichern
4. Offene Sportarrangements für Kinder und Jugendliche ausbauen
- Kooperationen mit Angeboten der Offenen Kinder- und Jugendarbeit und Familienzentren
- Entwicklung neuer Angebotsformate durch Sportvereine
- Verbesserte Zugänglichkeit von Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets
5. Bewegungsfreundliche Lebenswelten schaffen
- Sichere Wege für aktive Mobilität und Bewegung im Alltag schaffen
- Öffnung kommunaler Räume für Sport und Bewegung
- Beratung zur Schaffung sport- und bewegungsfreundlicher Schulhöfe etablieren
- Integration öffentlicher Sportstätten in die Bewegungslandkarte (BeLa)
- Lärmschutzrechtliche Absicherung von kindlichem Sportlärm
Die vollständigen Handlungsempfehlungen der dsj finden Sie auf der Website der Deutschen Sportjugend.
Abschließend betont die dsj: „Die aktuellen Herausforderungen in der Gesellschaft erfordern ein starkes Engagement, um sicherzustellen, dass alle jungen Menschen Zugang zu Aktivitäten haben, die ihre körperliche Gesundheit, soziale Integration und ihr allgemeines Wohlbefinden fördern. Hierfür sind Maßnahmen notwendig, um niedrigschwellige Sport- und Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche zu schaffen und auszubauen. Es gilt, Freude an Bewegung, Spiel und Sport von Anfang an zu fördern. Dazu wird ein breites Spektrum an Angeboten benötigt, die für alle zugänglich sind – unabhängig von sozialen, kulturellen oder finanziellen Hintergründen.“ (Sportplatzwelt, 27.10.2025)




