„Nicht nur verwalten, sondern aktiv gestalten“
Im Interview mit Sportplatzwelt spricht das Vorstandsteam der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Sportämter (ADS) über die „Sportmilliarde“, die digitale Transformation und die Ehrenamtskrise.
Sportplatzwelt: Die „Sportmilliarde“ und das Infrastruktur-Sondervermögen: Eine Chance für die sanierungsbedürftige Sportstättenlandschaft oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
ADS: Derzeit ist die Verteilung der Mittel noch viel zu unklar, um das bewerten zu können. Grundsätzlich begrüßen wir, dass der Bund den Sport im Blick hat und mit dem Infrastruktur-Sondervermögen auch Investitionen in die Sportstätteninfrastruktur ermöglichen will. Ob die Sportmilliarde, die nicht jedes Jahr, sondern über die gesamte Legislaturperiode verteilt wird, ausreichen wird, um spürbare Verbesserungen in der kommunalen Sportstättenlandschaft zu erzielen, bleibt fraglich – der Sanierungsstau ist vielerorts erheblich. Entscheidend wird sein, wie transparent und praxisnah die Mittel auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene verteilt werden. Der Ball liegt hier eindeutig bei der Politik: Es braucht eine klare Strategie, verbindliche, einfache Verfahren und vor allem eine zügige Umsetzung, damit die Mittel auch tatsächlich dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden.
Aus diesem Grund sind auch Karsten Schütze, ADS-Vorstand und Sportamtsleiter in Wiesbaden, und ADS-Geschäftsführerin Susanne Riedel Mitglied im Projektbeirat „Öffentlichen Mitteleinsatz zielgerichtet steuern – Die optimale Gestaltung von Förderprogrammen zu Sportinfrastrukturen“, um die sportkommunale Sicht zu verdeutlichen. Alle Infos zum Forschungsprojekt findet man auf der Website der Hochschule Koblenz.
Sportplatzwelt: Welche Rolle spielt die Digitalisierung bei der Bewältigung aktueller Herausforderungen für Sportvereine und Kommunen?
ADS: Wie in allen Bereichen kann und werden Digitalisierung und KI auch im Sport und in der kommunalen Sportverwaltung zunehmend Einzug halten. Im Idealfall entstehen dadurch spürbare Entlastungen – sowohl personell, etwa durch digitale Verwaltungsprozesse, als auch finanziell, beispielsweise durch effizientere Ressourcennutzung.
Gleichzeitig zeigt sich jedoch, dass viele Kommunen – ähnlich wie die Bundesrepublik insgesamt – noch deutlich hinterherhinken. Der Schwerpunkt liegt vielerorts noch auf der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG), wodurch innovative Ansätze für den Sport bislang zu kurz kommen.
Hier sehen wir großes Verbesserungspotenzial: Von digitalen Buchungs- und Belegungssystemen für Sportstätten über smarte Lösungen für Energieeffizienz bis hin zu transparenter Kommunikation mit Vereinen und Bürger:innen. Wichtig ist, dass Kommunen nicht nur verwalten, sondern aktiv gestalten – und die Chancen der Digitalisierung nutzen, um Sportvereine und Ehrenamt langfristig zu stärken.
Für die ADS-Mitglieder gab es im Mai 2025 einen Einsteiger-Workshop zum Thema KI. Beim ersten ADS-KI-Workshop wurden praxisnah neue Potenziale für die Arbeit im Sportamt aufgezeigt – der große Zuspruch zeigte, wie relevant das Thema ist.
Ein anderes Feld ist der Einsatz von KI in den Bädern zur Überwachung des Badebetriebs. Hier leisten einige Kommunen bereits Pionierarbeit und die Ergebnisse sind sehr überzeugend. So kann hier dem Fachkräftemangel entgegengewirkt werden.
Sportplatzwelt: Fehlendes ehrenamtliches Engagement stellt derzeit jeden sechsten Verein vor existenzielle Probleme. Welche Rolle wird hierbei künftig den Kommunen zuteil – z.B. im Rahmen einer hauptamtlichen Ehrenamtsförderung?
ADS: Die Unterstützung des Ehrenamts gehört seit jeher zu den Kernaufgaben der kommunalen Sportförderung. Dies geschieht traditionell über Zuschüsse – etwa für die Jugendarbeit oder für Übungsleiter:innen und Trainer:innen. In einigen Kommunen und Landkreisen wurden zudem bereits hauptamtliche Stellen oder Projekte geschaffen, die das Ehrenamt gezielt entlasten und stärken oder auch Ehrenamtler:innen vermitteln.
Angesichts des zunehmenden Mangels an freiwillig Engagierten wird diese Aufgabe künftig noch wichtiger: Kommunen können durch Beratung, Qualifizierung, z.B. durch die Ausbildung von Schwimmassistent:innen, digitale Unterstützungstools und die Bereitstellung geeigneter Rahmenbedingungen einen wesentlichen Beitrag leisten. Entscheidend ist dabei, gemeinsam mit den Vereinen nachhaltige Strukturen aufzubauen, die das Ehrenamt nicht nur kurzfristig, sondern langfristig sichern. „Sport und Ehrenamt“ ist aus den genannten Gründen auch ein zentrales Thema bei der ADS-Jahrestagung 2026, die vom 22.-24. April 2026 in Willingen, Hessen, stattfindet. (Sportplatzwelt, 10.10.2025)





