„Unbürokratische Fördersituation bleibt essenziell“
Im Interview mit Sportplatzwelt spricht Gunter Archinger, Geschäftsführer des Uerdinger Schwimmverein 08 e.V., über die Rolle der Schwimmvereine in der Bäderkrise und das gemeinsam mit dem Land NRW initiierte Projekt „Narwali“.

Archinger: Der Uerdinger SV 08 betreibt eine hochmoderne Vereinsanlage am Waldsee mit einer 25-m-Halle, einem 50-m-Becken (Aquadome), einem Lehrschwimmbecken, Spaßbad, Sauna sowie Fitness- und Gymnastikräumen – eine bemerkenswerte Infrastruktur, vor allem in der aktuellen Bäderlage. Die Modernisierung der 25-m-Halle (2023-2025) im Rahmen größerer Förderprogramme zeigt beispielhaft, dass eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen Bund, Land, Stadt und privaten Partnern möglich ist. Dennoch bleibt diese Art von Projekt die Ausnahme – für viele Vereine sind solche Ressourcen unerreichbar. Deshalb ist eine breitere, unbürokratische Fördersituation essenziell.
Sportplatzwelt: Neben infrastrukturellen Problemen kämpfen viele Schwimmbäder in Deutschland vor allem mit einem Personal- und Fachkräftemangel. Inwieweit macht sich dieser auch in Vereinen wie Ihrem bemerkbar?
Archinger: Wir beschäftigen ungefähr 100 TrainerInnen und ÜbungsleiterInnen sowie über 35 haupt- und nebenberufliche Mitarbeitende in Technik, Verwaltung und Management. Das zeigt, dass der Verein deutlich professioneller aufgestellt ist als viele andere – eine Folge des Modernisierungsprozesses und der verbesserten Rahmenbedingungen. Gleichzeitig setzt der Verein auf gezielte Fachkräftestrategien: Eigene Ausbildung junger Ehrenamtlicher, Kooperationen mit Schulen und Hochschulen sowie internationale Rekrutierung aus Regionen wie Asien, Nordafrika und Nordamerika. Außerdem engagiert sich der USV 08 auf dem Kongress der IHK zur Fachkräftegewinnung – u.a. mit Best Practices zur Personalbildung und Arbeitgeberattraktivität.
Sportplatzwelt: Die abnehmende Schwimmfähigkeit von Kindern ist ein drängendes gesellschaftliches Problem. Welche Rolle spielt hierbei das Narwali-Projekt im Kontext schulischer Schwimmausbildung und wie beurteilen Sie die Akzeptanz bei Schulen, Eltern und Trainern bisher?
Archinger: Beim Narwali-Schwimmcontainer, der seit dem 4. März 2024 mit dem Start an der Bismarckschule in Krefeld im Einsatz ist, übernimmt der Uerdinger SV 08 die Projektkoordination im Regierungsbezirk Düsseldorf. Der Container verfügt über ein 9 m x 3 m großes Becken, Umkleide, Dusche und Gegenstromanlage. Er bietet Kindern im Kita- und Grundschulalter ideale Möglichkeiten zur Wassergewöhnung und zum Erstkontakt mit dem Element Wasser. Das Angebot wird von Schulen, Kitas und Eltern sehr begrüßt – und es stärkt zugleich die Bindung an den Verein: Kinder, die im Container erste Erfahrungen sammeln, finden leichter den Einstieg in unsere HAI-School-Kurse, in Angebote anderer Vereine oder in die Schwimmausbildung allgemein.

Sportplatzwelt: Welche Rolle werden solche mobilen Lösungen künftig in der Wassergewöhnung und Schwimmausbildung einnehmen? Können sie überhaupt einen adäquaten Ersatz für dringend benötigte Lehrschwimmbecken darstellen?
Archinger: Mobile Lösungen können wichtige Bausteine bei fehlenden Wasserflächen sein. Der Container des Narwali-Projekts ergänzt das feste Vereins- und Schulangebot sinnvoll und schafft Angebote, die aufgrund (vorübergehend) fehlender überdachter Wasserflächen nicht vorhanden wären. Er richtet sich gezielt an Kindergruppen, ermöglicht bis zu acht KursteilnehmerInnen gleichzeitig eine Betätigung und bietet auch Erwachsenen Techniktraining durch eine professionelle Gegenstromanlage inklusive Videoanalyse. Dennoch bleibt ein festes Lehrschwimmbecken – wie beim USV 08 – die Grundlage für langfristige Schwimmausbildung und den Vereinsbetrieb.
Sportplatzwelt: Angesichts knapper öffentlicher Mittel und wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen: Welche partnerschaftlichen Modelle zwischen Kommunen, Schulen und Vereinen halten Sie für zukunftsfähig, um flächendeckend Schwimmangebote sicherzustellen – auch außerhalb klassischer Bäderbetriebe?
Archinger: Der Uerdinger SV 08 ist mit über 11.000 Mitgliedern der größte Schwimmverein Deutschlands. Vereine dieser Größenordnung besitzen das operative Know-how – Schul-, Kommunal- und Sportverwaltungen bringen Infrastruktur und Flächen ein. Beispielhafte Projekte wie „Krefeld schwimmt“, bei dem sieben Schulen mit ca. 900 Kindern wöchentlich 45 Minuten Wasserzeit erhalten und von USV-Lehrkräften begleitet werden, zeigen ein funktionierendes Schul-Vereins-Bündnis. Zentrale Eckpunkte solcher Modelle sind verlässliche Wasserzeiten für Schulen, Vereinstrainer vor Ort, abgestimmte Fördermittel und eine klare Koordination zwischen alle Beteiligten. (Sportplatzwelt, 03.10.2025)




