Bürstadt: Mit mehr Bewegung zur Gesundheitsstadt
Der im September 2023 feierlich eröffnete Bildungs- und Sportcampus (BuSC) ist ein historischer Meilenstein für Bürstadt: Auf mehr als 68.000 m² wurde eine umfangreiche Sport- und Bewegungslandschaft für alle Generationen geschaffen.
Bildung und Sport werden auf dem neuen Campus als Einheit betrachtet: Neben den Bildungseinrichtungen, die in einem eingeschossigen Holzbau untergebracht sind, besticht die neue Anlage vor allem durch zahlreiche niedrigschwellige Sport- und Bewegungsangebote für Jedermann – inklusive Laufstrecke, Kletterwand, Ninja-Parcours, Freilufthalle, Spielplatz und Outdoor-Fitness-Anlage. Selbstverständlich kommt aber auch der organisierte Sport im neuen Bildungs- und Sportcampus nicht zu kurz: Die Anlage verfügt auch über zwei moderne Kunstrasenspielfelder und leichtathletische Anlagen.
Bürstadt ist eine der am südlichsten gelegenen Städte Hessens. Ländlich eingebettet, aber doch mit einem lebendigen städtischen Kern ist Bürstadt in einer starken, städtebaulichen Entwicklungsphase. Als Zuzugsgemeinde mit knapp 18.000 Einwohnern und mehr als 100 Vereinen und Gruppierungen bietet die Stadt den Bürgerinnen und Bürgern eine sportlich aktive Lebensgrundlage.
Das mehr als 68.000 m² große Gelände war im Ursprung ein eher klassisches Sportgelände aus den 1950er und 1960er Jahren, das Robert-Kölsch-Stadion, hauptsächlich genutzt von einzelnen Vereinen in ihren jeweiligen Bereichen. Bereits im Jahr 2015 gab es erste Überlegungen, das bestehende Gelände umfassend umzugestalten, ein erster Vorentwurf wurde im Jahr 2018 erarbeitet. Ziel war es, ein überwiegend offenes Sport- und Bewegungsareal zu schaffen, das für den Vereinssport multifunktional entwickelt wird und für alle Bürgerinnen und Bürger von Bürstadt öffentlich zugänglich ist – vor allem auch von Schulen und Kindergärten.

Das ambitionierte Bauprojekt, das einen historischen Meilenstein in der Bürstädter Stadtgeschichte und eines der bedeutendsten Projekte für die Entwicklung der Stadt Bürstadt zur „Gesundheitsstadt“ darstellt, wurde über die Jahre vor allem von Bürgermeisterin Barbara Schader immer wieder vorangetrieben, für die die umfassende Umgestaltung des in die Jahre gekommenen Robert-Kölsch-Stadions von Anfang an alternativlos war: „Gerade in den vergangenen zehn bis 15 Jahren haben sich die Ansprüche an eine moderne Sportanlage derart verändert, dass die Stadt ein ganz neues Gesamtkonzept erstellen ließ, um diesen Herausforderungen der Zukunft gerecht zu werden. Bei der Umgestaltung der Anlage verfolgt die Stadt Bürstadt einen integrierten Ansatz, der die Querschnittsziele Klimaschutz, Klimafolgenanpassung und Integration in den Vordergrund rückt. Neben Vereinssport, der jetzt disziplinübergreifend ausgeübt werden kann, ist die individuelle Ausübung des Sports als wichtiger Aspekt in der Wandlung der Stadt Bürstadt zur Gesundheitsstadt in den Fokus gerückt.“

Bürstadt wird Gesundheitsstadt
„Bewegung und Begegnung nehmen einen hohen Stellenwert in der Stadtentwicklung ein“, erklärt Schader. Der neue Bildungs- und Sportcampus ist dabei eines der Vorzeigeprojekte der städtebaulichen Umstrukturierungen, Zeuge derer die Bürstädter Bevölkerung derzeit wird. Als Grundlage für die Bau- und Sanierungsprojekte der vergangenen Jahre dient dabei in erster Linie das 2019 veröffentlichte integrierte städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK), das sich vor allem auf die ämterübergreifende, städtebauliche Weiterentwicklung der östlichen Kernstadt fokussiert.
Bereits im Jahr 2014 – fünf Jahre vor Fertigstellung des ISEK – hat die Stadt Bürstadt mit ihrem „Spielplatzkonzept“ den Weg für eine umfassende Umstrukturierung und Verbesserung der innerstädtischen Spiel- und Bewegungsangebote geebnet – und das stets mit einem generationenübergreifenden Nutzungskonzept. Den Anfang machte dabei die 2016 eröffnete „alla hopp!“-Anlage in unmittelbarer Nähe zum Rathaus – ein generationenübergreifender Bewegungs- und Spielpark mit Angeboten für die ganze Familie: Neben einem Bewegungsparcours für Jedermann und einem Kinderspielplatz zählen hier vor allem ein naturnaher Spiel- und Bewegungsplatz für Schulkinder sowie ein Bewegungsplatz für jugendliche Sportler zum Flächenprogramm. Schader: „Mit der ‚alla hopp!‘-Anlage wurde der erste Meilenstein in der Entwicklung zur ‚Gesundheitsstadt‘ gelegt. Bereits im Zuge der Planung der ‚alla hopp!‘-Anlage entstand das Konzept für den neuen Bildungs- und Sportcampus und auch den durch die Kernstadt führenden Bewegungs- und Bildungspfad.“

Ansässige Vereine, Schulen, der Bürstädter Jugendclub sowie Anwohnerinnen und Anwohner waren dabei von Beginn an über Workshops und transparente Öffentlichkeitsarbeit in den Planungsprozess involviert. Schader: „Es fanden gemeinsame Begehungen und Fragebogenaktionen statt, beim ‚Tag der Städtebauförderung‘ konnten sich interessierte Bürger informieren.“
Der moderne Bewegungs- und Spielpark war aber nur der Startschuss für eine regelrechte Spielplatzoffensive, im Rahmen derer in den vergangenen zehn Jahren gleich mehrere Spielplätze in Bürstadt zu „Leuchtturm-Spielplätzen“ ausgebaut wurden. Schader: „Mit der Zusage, dass die Stadt Bürstadt ‚alla hopp!‘-Kommune wird, hat sich die Spielplatzlandschaft in der Stadt massiv verändert.“ Die multifunktionale Mehrgenerationen-Anlage am Bürstädter Rathaus sei dabei „einem großen Lottogewinn für die Stadt“ gleichgekommen. In den Folgejahren wurden weitere Spiel- und Bewegungsparks im gesamten Stadtgebiet geschaffen: Beispielsweise eine Anlage am Krieglachring, die sich vor allem auf die Bewegungsförderung von Kleinkindern konzentriert, oder der neue Spielplatz in der Burgunderstraße, der mit einer Seilbahn ausgestattet wurde.

Schader: „Die nächste Anlage, die in einen Leuchtturm umgestaltet wird, ist der Spielplatz Schubertstraße. Die Stadtgärtnerei erarbeitet entsprechende Pläne. Die Umgestaltung des Spielplatzes am Messeplatz im Stadtteil Bobstadt wird auch als sehr gelungen angesehen, weil es eine Bewegungsstraße wurde, die in Zukunft Kinder zu mehr Bewegung animieren möchte.“ Parallel zu den Modernisierungen und Umstrukturierungen dieser „Leuchtturm-Spielplätze“ wurden aber auch Bestandsanlagen keinesfalls vernachlässigt und in den vergangenen Jahren immer wieder modernisiert und angepasst – beispielsweise auch im Stadtteil Riedrode, wo ab sofort brandneue Spielgeräte zum Einsatz kommen. Schader: „So wird das angelegte Spielplatzkonzept als weitestgehend umgesetzt betrachtet.“
Bildung und Sport für Jedermann
Die seit mittlerweile zehn Jahren laufenden Bemühungen der Stadt Bürstadt, die städtischen Sport- und Bewegungsmöglichkeiten in ein generationenübergreifendes Konzept zu überführen und bestehende, teils in die Jahre gekommene Einzelsportanlagen durch moderne, multifunktional nutzbare Sport- und Bewegungsangebote für Jedermann zu verwandeln, gipfelten 2023 im Neubau des oben erwähnten Bildungs- und Sportcampus.
Ein Projekt, das nicht nur aufgrund seines Finanzvolumens eine besondere Herausforderung für die 18.000-Einwohner-Stadt darstellte, wie Schader erklärt: „Herausfordernd war es, ausreichend Mittel zusammenzubekommen, um solch ein Millionenprojekt zu finanzieren.“ Insgesamt musste die Kommune auf rund zehn verschiedene Förderprogramme zurückgreifen, um einzelne Bestandteile der geplanten Anlage nicht vollständig aus eigener Tasche finanzieren zu müssen. Schader: „Hinzu kamen in den letzten Jahren die enormen Preissteigerungen in der Baubranche, auch durch die Corona-Pandemie und den Ukraine-Krieg, die die Bereitstellung zusätzlicher Mittel erforderten.“ Das persönliche Engagement der Bürgermeisterin sowie Stringenz bei der Akquise von Fördermitteln hätten schlussendlich aber dazu beigetragen, dass der überwiegende Teil der Planung auch umgesetzt werden konnte.
Wie der Name aber bereits nahelegt, geht das Nutzungskonzept des BuSC weit über die bloße Bewegungsförderung für Jung und Alt hinaus. Schader: „Das Herzstück des neuen Bildungs- und Sportcampus ist das Bildungszentrum, das durch die Städtebauförderung und die Dietmar-Hopp-Stiftung unterstützt wird. Hier gibt es Freizeit- und Bildungsangebote für alle Generationen in einem einstöckigen Holzbau in Passivbauweise.“
Das Gebäude wird zu 50 Prozent vom örtlichen Jugendförderverein genutzt und betrieben. Die übrigen 50 Prozent dienen vor allem der Ausrichtung städtischer Veranstaltungen, der Nachmittagsbetreuung „Pakt für den Nachmittag“ oder zur Abhaltung von Sprachkursen.
Organisierter Sport wird nicht hintangestellt
Auch wenn der Fokus der Bürstädter Kommunaladministrative in den vergangenen Jahren vor allem auf generationenübergreifenden, frei zugänglichen und multifunktional nutzbaren Sport-, Spiel- und Bewegungsangeboten im öffentlichen Raum lag, kommt selbstverständlich auch der organisierte Vereinssport in Bürstadt nicht zu kurz. Schader: „Für die Sanierung der Sportstätten wurde in den letzten Jahren viel getan.“
So verfügt die Stadt Bürstadt bis dato zwar nicht über eine eigene städtische Sporthalle, würde künftig aber aufgrund des hohen Sanierungsstaus an der vom Kreis Bergstraße betriebenen Wasserwerkhalle gerne in Zusammenarbeit mit dem Landkreis ein Konzept für eine zukunftsfähige Sporthalle für den Vereinssport erarbeiten.
Darüber hinaus wurden in den vergangenen Monaten auch die Kunststofflaufbahn im örtlichen Leichtathletikstadion von Grund auf erneuert, der Kunstrasenplatz im Stadtteil Riedrode vollständig saniert und eine neue Hochsprunganlage in Betrieb genommen. Schader: „Alle Sportstätten werden weiter beobachtet, darunter auch das Areal des engagierten Tennisclubs, der seine eigene Anlage modernisiert und bestens ausgestattet hat und den Wunsch hegt, eine Tennishalle zu bauen.“ Auch dieses Vorhaben will die Stadt unter Einbeziehung von Bebauungsplänen unterstützen. Schader: „Wir haben engagierte Vereine, die sich für den Sport in Bürstadt einsetzen.“
Der neue Bildungs- und Sportcampus, niedrigschwellige Sport- und Bewegungsangebote im gesamten Stadtgebiet, eine attraktive Spielplatzlandschaft und deutlich verbesserte Zustände bei den kommunalen und vereinseigenen Sportstätten zeugen vom erfolgreichen Engagement der Bürstädter Stadtverwaltung, die hessische Kleinstadt zur Gesundheitsstadt zu entwickeln. Erfolge, auf denen sich die Verantwortlichen aber nicht ausruhen wollen, wie Schader schließt: „Was in den kommenden zwölf Monaten realisierbar ist, hängt letzten Endes auch von Genehmigungen ab.“ (Sportplatzwelt, 26.03.2025)
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