Das Sport- und Bäderamt Saarbrücken im Porträt
Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten in den vergangenen Jahren steht die Saarbrückener Sportstättenlandschaft heute überwiegend gut da. Aktuelle Herausforderungen hinterlassen aber auch in der Landeshauptstadt ihre Spuren.
Die Landeshauptstadt Saarbrücken ist nicht nur die größte Stadt des Saarlands, Universitätsstadt und Heimat eines traditionsreichen Fußballvereins, der durch seine sportlichen Leistungen auch regelmäßig über die Landesgrenzen hinaus Schlagzeilen schreibt, sondern vor allem auch eine breitensportorientierte Sportstadt, deren Sportförderung sich an den tatsächlichen Bedürfnissen der Saarbrückener Sportvereine orientiert. Die mehr als 150 Sport- und Bewegungsmöglichkeiten in der Landeshauptstadt werden dabei vom hochmotivierten Team des Sport- und Bäderamts rund um Amtsleiter Tony Bender in enger Zusammenarbeit mit dem städtischen Gebäudemanagementbetrieb betreut.

Sportstadt mit echter Sportförderung
„Saarbrücken ist eine Sportstadt“, so Bender, der seit 2010 die Geschicke des Saarbrückener Sports lenkt. „Mit mehr als 54.000 Vereinsmitgliedern, davon mehr als 14.600 Kinder und Jugendliche, in rund 250 Vereinen haben wir einen überdurchschnittlichen Organisationsgrad von rund 30 %.“
Nach den infrastrukturellen Bemühungen und zahlreichen Sanierungsprojekten – vor allem an gedeckten Sportstätten – der vergangenen Jahre präsentieren sich die städtischen Sportstätten in Saarbrücken heute in einem überwiegend guten Zustand.
Vor allem mangelnde Kapazitäten würden das Belegungsmanagement derzeit aber stark fordern, wie Bender erklärt: „Durch die Ausweitung der Schulzeiten werden die Trainingsmöglichkeiten der Vereine gerade für Kinder- und Jugendtrainings immer mehr eingeschränkt – und das, obwohl wir in Saarbrücken mit 45 eigenen Hallen und den 12 Hallen des Regionalverbandes insgesamt 117 gedeckte Sportmöglichkeiten anbieten können.“ Bereits heute kämen die Vereine nur noch auf rund 72.000 Trainingsstunden, während Schul- und Kindergartennutzungen inzwischen sogar mehr als 77.000 Stunden belegen würden.
Trotz angespannter Haushaltslage – Saarbrücken gilt als „Haushaltsnotlagegemeinde“ – will die Stadt Saarbrücken ihren Sportvereinen bestmöglich unter die Arme greifen und sie vor allem finanziell so wenig wie möglich belasten. So beteiligt die Landeshauptstadt die Saarbrückener Breitensportvereine im Rahmen ihres Entgeltekatalogs nur in geringem Umfang an den entstehenden Betriebs- und Instandhaltungskosten. „Dies ist eine echte Förderung des Vereinssports“, schließt Bender.
Eine Sportförderung, die es möglicherweise in Zukunft zu hinterfragen gilt, sollte die bereits mehrfach verschobene Einführung des neuen §2b UstG tatsächlich zum Jahresbeginn 2025 eingeführt werden – die damit einhergehende Mehrwertsteuerbelastung der städtischen Leistungen würde dann, so Bender, „für manche Vereine zur einer echten Herausforderung“ werden. Bender weiter: „Ob und wie der Gesetzgeber mit der geplanten Neufassung des § 4 Nr. 22 Buchst. C UstG hier den Vereinssport entlasten wird, wird abzuwarten sein. Die Kommunen blicken allerdings mit Sorge auf die sich hieraus ergebenden negativen Auswirkungen beim Vorsteuerabzug, der in Saarbrücken – wie in vielen anderen Kommunen auch – gerade im Bäderbereich erhebliche Auswirkungen haben wird.“

Gute Infrastruktur für den Sport
Neben den insgesamt 117 gedeckten Sportmöglichkeiten verfügt die Landeshauptstadt Saarbrücken über 40 Sportplätze – davon 13 Natur- und 19 Kunstrasenspielfelder. Die regelrechte Sanierungsoffensive, Zeuge derer die Nutzer der Saarbrückener Sporthallen in den vergangenen Monaten und Jahren geworden sind, erreicht allmählich auch die Saarbrückener Außensportanlagen. Bender: „Mit der Umgestaltung der Plätze haben nicht alle Umkleidegebäude Schritt halten können. Mit regelmäßigen Erhaltungsmaßnahmen und Sanierungen, insbesondere aber der Konzeption und dem Bau einer neuen Umkleide im Saarwiesenstadion schaffen wir hier Schritt für Schritt kleinere und größere Verbesserungen.“
Und das nicht nur bei städtischen Sportplätzen: Allein in den vergangenen 12 Monaten hat die Landeshauptstadt Saarbrücken gleich mehrere Sanierungsprojekte an vereinseigenen Sportplätzen mit insgesamt 200.000 Euro gefördert. Mit dieser Summe wurde vor allem die Umrüstung von Trainingsbeleuchtungen auf energiesparende LED-Beleuchtung, der Neubau eines Kleinspielfelds sowie mehrere Kunstrasensanierungen finanziert. Bender: „Auch für die stadteigenen Sportplätze steht, nachdem wir bereits 2021 einen Platz nicht nur mit einer LED-Platzbeleuchtung, sondern einer gezielten Laufbahnbeleuchtung ausgestattet haben, die Umrüstung von mindestens zwei Platzanlagen auf LED auf der Agenda.“
Darüber hinaus habe man im Rahmen des Förderaufrufs des Bundes eine Förderung für den Ersatzneubau einer Umkleide auf der Sportanlage Saarwiesen erhalten. Bender: „Im Hinblick auf den bereits angesprochenen Zustand unserer Umkleidegebäude wollen wir uns hier zum einen Richtung Holzbau, zum anderen aber auch speziell in Richtung serielles Bauen orientieren, um eine Blaupause für weitere Projekte zu erhalten.“ Der Ersatzneubau für das Umkleidegebäude auf der Sportanlage Saarwiesen ist bereits mit Gesamtkosten in Höhe von 2,25 Mio. Euro im städtischen Haushalt veranschlagt, die Stadt rechnet mit einer 75-prozentigen Förderung durch den Bund.
Deutlich besser sehe es – nach den infrastrukturellen Bemühungen der vergangenen Jahre – laut Bender bei den städtischen Turn- und Sporthallen aus, deren bauliche Betreuung in Händen des städtischen Gebäudemanagementbetriebs liegt: „Hier finden immer wieder umfangreiche Sanierungen statt, sodass wir im Hallenbereich bis auf wenige Ausnahmen einen guten Standard abbilden können.“ Die teils vehementen Niederschläge und daraus in vielen Teilen Deutschlands resultierenden Hochwasserereignisse im Mai dieses Jahres sind aber auch an der Landeshauptstadt nicht spurlos vorbeigegangen, wie sich Bender erinnert: „Leider hat das Pfingsthochwasser dieses Jahr mit der Sporthalle Brebach eine unserer ‚Vorzeigehallen‘ massiv in Mitleidenschaft gezogen und einen Schaden von rund 600.000 Euro verursacht. Doch auch hier konnte schnell reagiert und die erforderliche Instandsetzung auf den Weg gebracht werden.“
Zu den jüngsten Maßnahmen im Bereich der gedeckten Sportstätten zählt unter anderem die Sporthalle Kitten, in der, nachdem sie zuvor bereits einen komplett neuen Sportboden erhalten hatte, jetzt auch Lüftungs- und Heizungsanlagen erneuert wurden. Die Gesamtkosten beliefen sich auf rund 470.000 Euro. Bender: „Zudem wurde im Sportzentrum Dudweiler eine Beschattungsanlage eingebaut.“
Mit weiteren, teils umfangreichen Sanierungsarbeiten an Indoor- und Outdoor-Sportanlagen wird sich die Landeshauptstadt vor allem im kommenden Jahr konfrontiert sehen, bevor Saarbrücken im Jahr 2026 als Gastgeber der nationalen Spiele von Special Olympics Deutschland auftritt. Bender: „Darauf freuen wir uns sehr! Gleichzeitig gibt dies Gelegenheit, die Sportanlage Kieselhumes, das Sportfeld und die Bruchwiesenhalle mit der Unterstützung des Landes grundlegend zu sanieren und zu modernisieren. Hier laufen derzeit die Abstimmungen mit dem Land.“
Wandel des Sportverhaltens
Sport findet aber auch in Saarbrücken immer häufiger abseits klassischer Vereinsstrukturen oder des Schulunterrichts statt. Wie überall in Deutschland beobachten auch die Verantwortlichen in Saarbrücken eine gewisse Abkehr von tradierten Angeboten des organisierten Breitensports hin zu einer steigenden Nachfrage nach selbstorganisierten und informellen Sportangeboten – vor allem im öffentlichen Freiraum. Bender: „Saarbrücken ist eine sportliche Stadt, das sieht man entlang des Saarufers, wo Läufer und Biker ebenso anzutreffen sind wie sonstige Sportbegeisterte. Auch der deutsch-französische Garten als eine große Parkanlage wird nicht nur vom Lauf- und Fahrradsport, sondern auch von Yoga, Tai Chi und sonstigen Sportgruppen genutzt, die dort bei schönem Wetter die Wiesen bevölkern.“ Zusätzlich stelle die Stadt dem vereinsgebundenen Sport zahlreiche niedrigschwellige Sportanlagen zur Nutzung zur Verfügung – darunter ein Bouleplatz, vier Basketballfelder, 34 Bolzplätze (inkl. drei Multifunktionsspielfeldern), fünf Skateanlagen, ein Pumptrack und zwei Calisthenics-Anlagen.
Abseits dieser informellen Sportmöglichkeiten, die die Stadt Saarbrücken ihren Bürgerinnen und Bürgern sowie dem örtlichen Vereinssport zur Verfügung stellt, befindet sich der niedrigschwellige Sport in den Saarbrückener Grün- und Freiräumen derzeit noch in einer gewissen Findungsphase. Bender: „Um dem geänderten Sportverhalten Rechnung zu tragen, hatte sich die Landeshauptstadt Saarbrücken im Rahmen des Projekts ‚Restart‘ von BMI und DOSB um eine Sportbox beworben und als zunächst erste und einzige Gemeinde im Saarland auch den Zuschlag erhalten. Hier testen wir aus, wie solche niedrigschwelligen Angebote angenommen werden und ob und wie sie den beiden Kooperationsvereinen in ihrer täglichen Arbeit helfen.“
Grundlage für die Zukunft des niedrigschwelligen und selbstorganisierten Sports in Saarbrücken wird dabei künftig auch der derzeit noch in Abstimmung befindliche Freiraumentwicklungsplan (FEP) sein, der in den vergangenen Jahren immer wieder überarbeitet und aktuellen Herausforderungen (z. B. auch Klimaanpassungsmaßnahmen) angepasst wurde.
So werden vor allem auch Sport und Bewegung – und vor allem die multifunktionale Nutzung einzelner Räume und Flächen – künftig einen deutlich höheren Stellenwert in der Saarbrückener Freiraumplanung einnehmen. Bender: „Im Rahmen des sich derzeit in Abstimmung befindenden Freiraumentwicklungsplan der Landeshauptstadt Saarbrücken gab es eine eigene Expertengruppe, in der gemeinsam mit dem Sport- und Bäderamt das Thema Sport und Bewegung im Freiraum beleuchtet wurde und unter anderem das Thema Multi-Codierung des öffentlichen Raums besprochen wurde." (Sportplatzwelt, 10.10.2024)
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