Laufbahnen: Neue Anforderungen an bewährte Systeme

Klimawandel, Rezyklierbarkeit und Nachhaltigkeit stellen Kunststofflaufbahnen heute vor veränderte Anforderungen, die sich auch auf den entsprechenden Normenkatalog auswirken. Die Bedarfsgerechtigkeit steht dabei immer im Mittelpunkt.

Die Nachhaltigkeit eines Laufbahnprojekts beginnt dort, wo von vornherein sinnvoll und bedarfsgerecht geplant wird: Leichtathletik-Anlage darf nicht überdimensioniert sein – weder hinsichtlich der mit Kunststoff versehenen Flächen noch bei der Sportgeräte-Ausstattung. Vielmehr ist bereits bei der Planung auf eine bedarfsorientierte Gestaltung zu achten. Nicht jede Schulsport-Anlage benötigt eine vollwertige Kampfbahn des Typs A samt kompletter Wettkampfausstattung, häufig reicht eine einfache Rundbahn mit Sprintgeraden sowie Sprung- und Wurfanlagen, ergänzt durch kleinere Multifunktionsfelder. Dies reduziert die versiegelte Fläche, fördert die Grundwasserneubildung durch den Erhalt wasserdurchlässiger Böden und unterstützt die klimaangepasste Stadtentwicklung – von ökonomischen Vorteilen ganz zu schweigen.

Sinnvoll planen

Auch Anlagen für den 3.000-Meter-Hindernislauf oder Stabhochsprung, die in der Praxis kaum zur Anwendung kommen, können guten Gewissens außenvor gelassen werden, wo kein Leichtathletik-Verein entsprechende Ansprüche anmeldet. Zudem gelten Wassergräben und Einstichkästen als besonders wartungsintensiv und anfällig für Beschädigungen – Anlagen mit derlei Ausstattungselementen sehen sich demnach häufig auch mit höheren Kosten und Ressourcenverbräuchen im Betrieb konfrontiert.

Auch Bauweise und Materialwahl beeinflussen die Nachhaltigkeit eines Laufbahnprojekts. Im klassischen – und in Deutschland überwiegend angewandten – Insitu-Verfahren werden alle Schichten des Laufbahnsystems vor Ort angemischt und direkt mit dem Unterbau verbunden. Bei der Hybridbauweise erfolgt die Verklebung einer werkseitig vorgefertigten Elastikschicht mit dem Untergrund, darauf wird eine Nutzschicht flüssig aufgetragen. Unterschiede ergeben sich auch durch die Art der Oberflächenbehandlung – etwa bei spritz-, schütt- oder gießbeschichteten Belägen.

Während die Spritzbeschichtung eine glatte, glasurartige Struktur erzeugt, treten beim Gießverfahren die einzelnen Körner stärker hervor. Vorgefertigte Systeme, die als Bahnenware verlegt werden, finden vor allem bei internationalen Großveranstaltungen Verwendung.

Die Klassifikation der Kunststoffbeläge erfolgt nach DIN 18035-6 in sechs Belagstypen von A bis F: Die Typen A, B und C sind wasserdurchlässig, Typ D, E und F wasserundurchlässig. Die durchlässigen Varianten eignen sich vorwiegend für den Schul- und Breitensport. Sie sind günstiger in der Anschaffung, weisen jedoch eine kürzere Lebensdauer auf. Typ A bis C werden vorwiegend im Schul- und Breitensport verwendet, also auch für Spielfelder und die Mischnutzung. Die Spritzbeschichtung eignet sich zudem besonders gut für Sanierungen bzw. das Retopping.

Während der Belagstyp A noch spikefest und für die Leichtathletik gut geeignet ist und auch IAAF-zertifiziert sein kann, handelt es sich beim Typ C um einen einfachen einschichtigen Aufbau, der je nach Stärke (ca. 10 – 20 mm) für das Kleinspielfeld oder als Fallschutz geeignet ist. Die Gießbeläge des Typs D bis F eignen sich für den Trainings- und Wettkampfsport auf höherem bis höchstem Niveau, sind widerstandsfähiger gegenüber mechanischer Einwirkung und den Einflüssen des Wetters, also jahrzehntelang verwendbar und mit allen ihren Eigenschaften für die Bezirkssportanlage ebenso empfehlenswert wie für das Olympiastadion. In der Praxis wird Typ D aus Gründen der Wirtschaftlichkeit meist gegenüber dem Typ E bevorzugt. Typ F ist in der DIN erfasst, findet in der Praxis mit seiner Bauweise als einlagiger bzw. massiver Belag allerdings kaum Verwendung.

Die Planung einer nachhaltigen Kunststofflaufbahn muss dabei auch immer wieder mit Kompromissen einhergehen: Die ökologischen und ökonomischen Vorteile wasserdurchlässiger Systeme werden unter Umständen durch die geringere Lebensdauer des Gesamtsystems konterkariert.

In Sachen Ökobilanz machen wasserundurchlässige Systeme hier nämlich einiges an Boden gut, da Sanierungszyklen länger werden und somit der Materialaufwand für Reparaturen und Sanierungen im Vergleich geringer ausfallen dürfte – insofern der Einbau fachgerecht erfolgt und die Pflege nicht vernachlässigt wird. Letztlich ist bei der Auswahl des passenden Belagstypen das spätere Nutzungskonzept und damit verbunden auch der Investitionsspielraum – neben ökologischen Überlegungen – entscheidend. Im Rahmen eines Laufbahn-Projekts ist der Einbezug erfahrener Experten daher bereits in der frühen Planungsphase sinnvoll.

Auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft

Trotz ihrer bislang geringeren öffentlichen Aufmerksamkeit im Vergleich zu Kunstrasensystemen werden auch Kunststofflaufbahnen künftig deutlich stärker an den Vorgaben der Kreislaufwirtschaft gemessen werden.

Während das Augenmerk bei der Planung vor allem auf einer bedarfsgerechten Dimensionierung und der weitestmöglichen Vermeidung neu versiegelter Flächen liegt, stellt sich im Rahmen der Lebenszyklusanalyse (LCA) vor allem die Frage, was mit der Kunststofflaufbahn am Ende ihrer 7- bis 15-jährigen Lebensdauer geschieht – Aufwand und Ressourcenverbrauch in der Pflege fallen hier im Gegenteil kaum ins Gewicht, für die regelmäßige Reinigung genügt ein einfacher Hochdruckreiniger, Intensivreinigungen werden turnusmäßig von spezialisierten Unternehmen im durchgeführt.

Diese Intensivreinigung erfolgt in der Regel mit Spezialmaschinen im Dreh-/Wirbelverfahren mit gleichzeitiger Schmutzwasseraufnahme und mehrstufiger Filtrierung in einer mobilen Filtrationsanlage. Die turnusmäßige Intensivreinigung garantiert, dass sich keine abschlämmbaren Stoffe in (Entwässerungs-)Leitungen festsetzen und Belagsabrieb und andere Umweltbelastungen aufgenommen, abgesondert und entsorgt werden können.

Einen ersten Vorstoß hin zur kreislaufwirtschaftsfähigen Kunststofflaufbahn hat die RAL Gütegemeinschaft Kunststoffbeläge und Kunststoffrasensysteme in Sportfreianlagen e.V. (GGK) im Frühjahr 2025 geleistet, als – nach dem bereits bestehenden Recycling-Modul für Kunstrasensysteme – erstmals auch ein entsprechendes Modul für Kunststoffbeläge (RAL-GZ 943/6) eingeführt wurde. Der Ausbau des Kunststoffbelags erfolgt zunächst durch die mechanische Trennung des Belags von der gebundenen Tragschicht.

Das anfallende Material wird dann geschreddert, klassiert und mechanisch recycelt, wodurch schlussendlich Granulate in unterschiedlicher Qualität und Korngröße entstehen, die dann wiederum als Basis für neue Sportflächen genutzt werden können – etwa in der elastifizierenden Schicht eines Kunststoffrasensystems.

Denn das Verfahren ähnelt stark den bereits etablierten Prozessen zum Recycling ebendieser Schichten – und kann wie beim Kunstrasen-Recycling vor Ort oder dezentral erfolgen. Mehr als 90 % der verbauten Materialmengen können so einem neuen Verwendungszweck zugeführt werden.

Bei der Planung von Kunststofflaufbahnen steht die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt.
Bei der Planung von Kunststofflaufbahnen steht die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt. Bild: Sportplatzwelt

Auch eine Frage der Entwässerung

Dass Regenwasser abfließen kann und sich keine überschüssige Feuchtigkeit anstaut, gehört zu den grundlegendsten Maßnahmen, um die Funktionalität, Qualität und Langlebigkeit einer Laufbahninstallation und eines Sportplatzes im Allgemeinen aufrechtzuerhalten.

Der Klimawandel und seine zunehmenden Starkregenereignisse gehen dabei aber auch mit teil erheblich gestiegenen Anforderungen an die Entwässerung einher. Einerseits gilt es, dass vor allem in niederschlagsstarken Perioden anfallende Wasser schnellstmöglich aus bzw. von dem System abzuführen, um Schäden zu vermeiden. Andererseits muss das überschüssige Wasser – insofern es nicht vor Ort versickert werden kann – nach und nach in Kanalisation oder Gewässer eingeleitet werden, ohne die Umwelt zu belasten. Dipl.-Ing. Jonas Heidbreder, Landschaftsarchitekt und Gesellschafter bei PS+ Planung von Sportstätten: „Die Entwässerung spielt eine zentrale Rolle beim Bau von Sportanlagen. Bei neuen, fachlich fundiert geplanten und gebauten Sportanlagen wird im Regelfall die Entwässerung richtig dimensioniert und ausgeführt. Durch die Anpassung der Regelwerke in den letzten Jahren werden auch Starkregenereignisse und Überflutungsszenarien richtig bewertet und berücksichtigt, die durch den Klimawandel weiter zunehmen.“

Probleme gäbe es vor allem bei Bestandsanlagen, wie Heidbreder erklärt: „Dränage, die älter als 30 bis 40 Jahre sind, funktionieren häufig nicht mehr richtig. Deshalb ist es sehr wichtig, bei einer Sanierung auch die Entwässerung zu modernisieren bevor der Belagsneubau erfolgt. Eine spätere Sanierung der Entwässerung im Unterbau führt häufig zu Problemen und erheblichen Mehrkosten gegenüber einer Sanierung direkt beim Umbau.“

Welcher Belag und welches Schichtsystem nun das nachhaltigste ist, lässt sich nicht pauschal beantworten – jedes System birgt seine Vor- und Nachteile. Während die wasserdurchlässigen Belagstypen A, B und C eine direkte Versickerung anfallenden Niederschlagwassers vor Ort ermöglichen, müssen die wasserundurchlässigen Typen D, E und F über spezielle Dränagesysteme und -leitungen entwässert und das Niederschlagswasser an anderer Stelle versickert oder eingespeist werden.

Dabei stehen aber nicht nur Platzgründe einer direkten Versickerung vor Ort mitunter im Weg: Neben der Wasserqualität (ermittelt nach den im DWA-Arbeitsblatt 138-1 festgehaltenen Flächenkategorien) ist vor allem die Beschaffenheit des Baugrunds einer der entscheidenden Faktoren bei der Versickerung. Der im Optimalfall durch Versickerungsversuche vor Ort ermittelte Durchlässigkeitsbeiwert (Kf-Wert) gibt Auskunft über die Wasserdurchlässigkeit des Baugrunds. Grob-, Mittel- und Feinsande sowie sandiger Kies und sandiger Schluff sind hier die in der Regel für eine Versickerung geeigneten Baugründe. Ist der Baugrund zu durchlässig, versickert das Wasser zu schnell und quasi ungefiltert. Heidbreder: „In diesem Zusammenhang sind Bodenuntersuchungen im Vorfeld einer fundierten Planung extrem wichtig. Es gibt extra auf den Sportplatzbau spezialisierte Labore, die genau ermitteln können, wie durchlässig der Baugrund ist und welche Baustoffe man wieder verwenden kann.“

Wasser, das nicht versickert werden kann, muss abgeleitet und eingespeist werden – allerdings nur in gedrosselter Form mit einem Volumenstrom von 2 bis 5 Litern pro Sekunde. Angesichts zunehmender Starkregenereignisse resultiert hieraus allerdings die Problematik, dass in niederschlagsstarken Perioden teils große Wassermengen zurückgehalten werden müssen, um die Kanalisation nicht zu überlasten.

Neu: DIN 18035-3:2025-07

Um diesen veränderten Anforderungen an Outdoor-Sportböden (z.B. Laufbahnen, Kunstrasen, Naturrasen) Rechnung zu tragen, hat die DIN 18035-3 im Juli 2025 einige entscheidende Updates erhalten. Neben Anpassungen an der Berechnungsgrundlage für die Abflussbeiwerte und der Tatsache, dass die Ermittlung des Bemessungsregens sich künftig Rasterdaten der KOSTRA-DWD 2020 des Deutschen Wetterdienstes basiert, wurde auch eine neue Bauweise, die „rohrlose Dränage“, in den Normenkatalog aufgenommen.

Der Anfang 2024 in einer vom Sächsischen Umweltministerium (LfULG) in einer Versuchsreihe entwickelte Lösungsansatz kommt dabei ganz ohne Rohrleitungen aus. Bei der rohrlosen Dränage wird lediglich ein Stauraum geschaffen, der unterhalb der Sportflächen Sickerwasser aufnimmt und in den Baugrund abgibt. Ein Lösungsansatz, der eine deutlich nachhaltigere Entwässerung ermöglichen soll, allerdings nur bei besonders durchlässigem Baugrund möglich ist.

Das Niederschlagswasser wird über Sickerpackungen im Erdplanum zur Versickerung gebracht, ohne dass es gefasst und von der Sportanlage abgeleitet werden muss. Voraussetzung ist allerdings eine Infiltrationsrate von mehr als 3,6 mm/h im Bereich der Sickerpackungen. Ein weiterer Vorteil der neuen Bauweise: Das auf dem Sportplatz gesammelte Wasser gilt im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) nicht als Abwasser; es wird in der Regel keine wasserrechtliche Erlaubnis benötigt. Auch wenn sich die bisherige Versuchsreihe des LfULG auf Naturrasensportflächen beschränkt, betont die Behörde: „Grundsätzlich ist die neue Bauweise bei allen Arten von Sportbelägen einsetzbar. Die verschiedenen Sportbeläge haben jedoch unterschiedliche Ansprüche an die Entwässerung, die in der Planung berücksichtigt werden müssen.“ (Sportplatzwelt, 01.10.2025)

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