Sportamtsreport 2025: Sportstätteninfrastruktur

Im ersten Teil des Sportamtsreports 2025 wirft Sportplatzwelt einen exklusiven Blick hinter die Kulissen deutscher Sportverwaltungen: Vom Zustand der kommunalen Sportstättenlandschaft über getätigte Investitionen bis hin zur Sportstättenförderung und Nachhaltigkeit.

Mehr als 100 Sportämter aus 15 Bundesländern haben am aktuellen Sportamtsreport 2025 teilgenommen – davon größtenteils aus Nordrhein-Westfalen (33,8 %), Baden-Württemberg (13,2 %), Niedersachsen (11,8 %), Hessen (10,3 %) und Sachsen (8,8 %). 20,6 % der befragten Sportämter befanden sich dabei in Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern, 42,6 % in Mittelstädten mit 25.000 bis 100.000 Einwohnern und 23,5 % in Kleinstädten mit weniger als 25.000 Einwohnern.

Sportstätteninfrastruktur

Der allgemeine Sanierungsstau macht auch im Sportamtsreport 2025 wieder bemerkbar: Im Schnitt bewerteten die befragten Sportämter den Zustand ihrer kommunalen Sportstätten mit 6,1 auf einer Skala von 1 (sehr schlecht) bis 10 (sehr gut) – und somit geringfügig besser als in den Vorjahren (2024: 5,9; 2023: 5,8).

Dabei lässt sich kein wesentlicher Unterschied im Hinblick auf die Einwohnerzahl der befragten Städte und Gemeinden feststellen: Mit 6,2 (Großstädte), 6,1 (Mittelstädte) und 6,0 (Kleinstädte) bewerteten die befragten Sportämter den Zustand ihrer Sportstätten allesamt ähnlich.

Ein signifikanter Unterschied lässt sich hierbei vor allem bei genauer Betrachtung der einzelnen Bundesländer feststellen: Während Städte und Gemeinden in „westdeutschen“ Bundesländern den Zustand ihrer Sportstätten im Schnitt mit 6,3 bewerteten, fiel die Bewertung in den „neuen“ Bundesländern mit durchschnittlich 5,4 deutlich schlechter aus – und zeugt von nach wie vor bestehenden strukturellen Unterschieden, die sich selbstverständlich auch auf den Sportstättenbereich auswirken.

Kommunen, die im vergangenen Jahr Neubau-, Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen in Angriff genommen haben, haben im vergangenen Jahr vor allem Investitionen in den Bereichen Kunstrasen (38,8 %), LED-Flutlicht (34,3 %) und Planung (34,3 %) getätigt. Maßnahmen rund um LED-Beleuchtung im Außenbereich waren dabei im vergangenen Jahr vor allem in Mittelstädten (48,3 %) eines der investitionsstärksten Gewerke. Kleinstädte haben im vergangenen Jahr vor allem Ausgaben für Planungsleistungen getätigt (31,3 %). In Großstädten standen im vergangenen Jahr hingegen vor allem Maßnahmen aus dem Bereich Kunstrasen ganz oben auf der Agenda (72,7 %).

Förderung

Ähnlich wie im vergangenen Jahr wurden dabei rund 22,4 % der Investitionen durch staatliche Fördermittel – sei es aus Bundes- oder Landesförderprogrammen – gedeckt (2024: 21,0 %). Hinsichtlich der Einwohnerzahlen lassen sich hierbei nur geringfügige Unterschiede feststellen: Während Großstädte im vergangenen Jahr rund 25,9 % ihrer Investitionen durch staatliche Fördermittel decken konnten, waren es in Mittelstädten und Kleinstädten rund 20,5 % bzw. 20,4 %. Wesentliche Unterschiede treten bei der Betrachtung der einzelnen Bundesländer zutage: Während Städte und Gemeinden in den „alten“ Bundesländern um Schnitt rund 14,9 % ihrer letztjährigen Infrastruktur-Investitionen durch staatliche Fördermittel decken konnten, belief sich die Förderung in den „neuen“ Bundesländern im Schnitt auf rund 47,9 %. Einzelne finanzschwache Kommunen, die im vergangenen Jahr mitunter 100 % ihrer Investitionen von Bund und/oder Land bezuschusst bekommen haben, ziehen hier den Schnitt deutlich nach oben.

Dies spiegelt sich allerdings nicht in der individuellen Bewertung der allgemeinen Fördersituation wider: Kommunen der „neuen“ Bundesländer bewerteten die Fördersituation mit einer durchschnittlichen Bewertung von 3,7 sogar geringfügig schlechter als Kommunen aus den „alten“ Bundesländern (3,9). Im deutschlandweiten Durchschnitt liegt diese Bewertung bei 3,8 – wobei Mittelstädte (4,1) die Situation besser bewerteten als Großstädte (3,6) und Kleinstädte (3,7).

Vor allem die jüngsten Entscheidungen der Bundespolitik, wichtige Sportstättenförderprogramme für den Breitensport zunächst nicht fortzuführen, parallel aber die Mittel für die Spitzensportförderung zu erhöhen – auch wenn dies die eigentliche Hauptaufgabe der bundesweiten Sportförderung ist –, stößt bei vielen Sportamtsmitarbeitern auf Unverständnis. Inwieweit der organisierte Breitensport hierbei auf der Strecke bleibt, bewerteten die Kommunen im Schnitt mit 7,2 auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 10 (sehr stark) – Großstädte (7,0) und Mittelstädte (7,1) sehen die aktuelle Lage aber etwas weniger problematisch als Kleinstädte (7,6).

Und auch im an die Frage anschließenden Kommentarfeld zeichnet sich insgesamt ein eher negatives Stimmungsbild:

„Der Druck zum finanziellen Ausgleich durch die Kommunen wird weiter steigen. Bund und Land lassen die Kommunen mal wieder alleine stehen.“

„Breitensport ist die Grundlage für erfolgreichen Spitzensport und darf daher nicht so vernachlässigt werden.“

„Die Förderstrategie des Bundes ist leider intransparent und nicht auf Dauer angelegt. Hinzu kommt der bürokratische Aufwand, der durch kleinere Kommunen nicht mehr gestemmt werden kann. Dabei ergeben sich aus dem GEG eine Vielzahl von Baustellen in den in die Jahre gekommenen Bestandsgebäuden.“

„Wichtig ist hier ein gerechter Fördermix. Es werden sportliche Vorbilder in der Spitze aber auch auskömmliche Mittel für den zukunftsfähigen, aber auch nachhaltigen Ausbau der breitensportorientierten Infrastruktur benötigt."

„Die Fördersituation im Freistaat Sachsen ist bisher gut. Wenn sich Veränderungen ergeben, wird dies den finanziellen Druck auf die Kommunen erhöhen und es müssen mehr Maßnahmen ohne Förderung umgesetzt werden. Bei schwieriger werdenden Haushaltslagen und der Situation, dass der Breitensport eine freiwillige Aufgabe ist, wird dies natürlich komplizierter. Investitionen im Sportbereich, sofern es sich nicht um Schulsportanlagen handelt, gehören nicht zur infrastrukturellen Grundversorgung.“

Nachhaltigkeit und Klimaanpassung

Das Thema Nachhaltigkeit spielt dabei in Städten jeder Größenordnung bereits heute eine wichtige Rolle bei der Planung und Realisierung von Neubau- und Sanierungsvorhaben: Im Schnitt bewerteten die befragten Kommunen die Frage, welchen Stellenwert der Themenkomplex Nachhaltigkeit und Klimaanpassung bereits heute bei Neubau- und Sanierungsvorhaben einnimmt, mit 6,7 auf einer Skala von 1 (gar nicht) bis 10 (sehr stark). Interessanterweise bewerteten Kleinstädte diese Frage mit 7,0 geringfügig höher als Groß- und Mittelstädte (6,6 bzw. 6,7). Auch auf die Frage, welche Rolle dieser Themenkomplex in den kommenden Jahren einnehmen wird, sind sich alle befragten Kommunen weitestgehend einig und bewerteten die Frage im Schnitt mit 8,0.

Unterschiede lassen sich hier vor allem hinsichtlich der Maßnahmen feststellen, mit denen sich die befragten Kommunen rund um den Themenkomplex Nachhaltigkeit und Klimaanpassung derzeit befassen: Die Themen Entwässerung/Hochwasserschutz (Großstädte: 45,5 %; Gesamt: 31,3 %), umweltfreundliche Kunstrasen-Infills (Großstädte: 54,5 %; Gesamt: 35,8 %), Gebäudeautomation (Großstädte: 40,9 %; Gesamt: 25,4 %) und die Multicodierung von Sportflächen (Großstädte: 31,8 %; Gesamt: 20,9 %) spielten im vergangenen Jahr in Großstädten eine überdurchschnittlich große Rolle. Insgesamt zählen vor allem Umrüstung auf energiesparende LED-Beleuchtung (83,6 %), umweltfreundliche Kunstrasen-Infills (35,8 %) und die Verwendung umweltfreundlicher Baumaterialien (32,8 %) zu den gängigsten Maßnahmen für nachhaltigere und klimaangepasste Sportstätten. (Sportplatzwelt, 30.01.2025)

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