„Ämterübergreifende Zusammenarbeit ist essenziell“
Im Interview mit Sportplatzwelt spricht Heiko Lehmkuhl, Sportdezernent der Stadt Kassel, über aktuelle Herausforderungen für die Sportverwaltung, den Zustand kommunaler Sportstätteninfrastruktur und die Bedeutung interdisziplinärer Planung.

Lehmkuhl: Wir in Kassel beobachten die Veränderungen von Sportgewohnheiten sowie den demografischen Wandel. Eine „positive“ Herausforderung ist hierbei die steigende Nachfrage an Sportmöglichkeiten und informellen Sportorten. So verzeichnet Kassel einen Anstieg an Vereinsmitgliedschaften (in den letzten Jahren knapp 5.000 Sportvereinsmitglieder mehr) und liegt damit im Bundestrend. Diese Entwicklung ist für uns in erster Linie positiv zu betrachten, stellt uns natürlich aber auch vor die Aufgabe, mehr Sportkapazitäten zu schaffen. So wurden zuletzt z.B. eine Downhillstrecke, ein öffentlicher Sportpark oder ein Jugendsportplatz gebaut. Privatwirtschaftliche Angebote wie eine neu errichtete Downhillstrecke, Kletter-, Skate- und Trampolinhallen und nicht zuletzt die Nordhessen-Arena als Heimat des Eishockeys machen die Sportlandschaft vielseitig und attraktiv. So werden Menschen in Kassel für den Sport begeistert, insbesondere Kinder und Jugendliche.
Zudem wird im Sportamt an gesundheitsfördernden Sportprogrammen für verschiedene Zielgruppen gearbeitet – das Projekt „Treffpunkt Bewegung“ für Ältere oder „Fit wie Herkules“ für Grundschulkinder. Beide Programme werden gut und dankend von unserer Bevölkerung angenommen.
Mit einem neuen IT-Belegungssystem wollen wir die Digitalisierung in unserer Sportverwaltung voranbringen, gerade in der Modernisierung und Digitalisierung sehen wir noch einige Herausforderungen, an denen wir aktuell arbeiten. In der Nutzung digitaler Kanäle, um die Menschen in Kassel zu erreichen und für Sportangebote zu werben, sind wir als Stadt Kassel in unserer Öffentlichkeitsarbeit gut aufgestellt. Eine weitere Herausforderung (nicht nur im Sport) wird in Zukunft die Gewinnung von ehrenamtlichen Mitarbeitenden in den Sportvereinen sein. Sie leisten Außergewöhnliches für das Miteinander in unserer Stadt. Hier müssen mehr Akzente geschaffen werden, um das Ehrenamt wieder attraktiver zu machen. Unser Sportamt agiert flexibel, innovativ und kooperativ, um auf Herausforderungen zu reagieren und die sportliche Infrastruktur sowie die Angebote für die Bevölkerung zu optimieren.
Sportplatzwelt: Wie bewerten Sie den Zustand Ihrer Sportstätten im Allgemeinen und wo liegen derzeit die Prioritäten bei geplanten Bau- und Sanierungsvorhaben? Welchen Stellenwert nehmen dabei die Themen Nachhaltigkeit und Klimaanpassung ein?
Lehmkuhl: Kassel ist eine der wenigen Städte, die Deutsche Leichtathletikmeisterschaften durchführen können. Den Austragungsort, unser Auestadion, haben wir jüngst mit der Installation einer neuen Bewässerungsanlage und einer Drainage fit für die Zukunft gemacht. Davon profitieren neben den regelmäßig nutzenden Vereinen auch Veranstaltungen sowie der Kassel-Marathon sowie das im Februar stattfindende Spiel der Rugby-Nationalmannschaften von Deutschland und Belgien. Diesen Standard wollen wir erhalten und erweitern.
Die Instandhaltung, Sanierung und Weiterentwicklung unserer Sportstätten und Schwimmbäder muss weiterhin konsequent verfolgt werden. Hierbei stehen wir in einem Spannungsverhältnis mit begrenzten finanziellen Mitteln, einer nicht immer planbaren Fördermittelvergabe und dem Erwartungsdruck vieler Sportvereine. Unser Ziel ist es, die vorhandenen Mittel bestmöglich einzusetzen. Sanierungen und Neubauten werden möglichst energieeffizient und ressourcenschonend geplant.
Sportplatzwelt: Sollten Kommunen angesichts der vielfältigen Anforderungen an eine moderne und nachhaltige Sportstätteninfrastruktur Ihrer Ansicht nach künftig deutlich projektorientierter und ämterübergreifend planen? Wie sieht hier die derzeitige Realität in Ihrer Kommune aus?
Lehmkuhl: Die Sicherstellung von Sportflächen in einer dichtbesiedelten Großstadt wie Kassel erfordert verlässliche, langfristige Förderprogramme. Die Vernetzung mit verschiedenen Akteuren ist entscheidend, um Planung und Umsetzung nachhaltiger Sportstätten effektiv voranzutreiben.
Nachhaltigkeit verstehen wir dabei nicht nur ökologisch, sondern auch sozial. Es geht darum, Sportangebote so zu gestalten, dass sie allen Bevölkerungsgruppen zugutekommen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Ämterübergreifende Zusammenarbeit ist hierfür essenziell, um ökologische, soziale und finanzielle Aspekte gleichermaßen zu berücksichtigen. Unser Ziel ist es, eine moderne und nachhaltige Sportstätteninfrastruktur zu schaffen, die nicht nur den heutigen, sondern auch den künftigen Anforderungen gerecht wird. (Sportplatzwelt, 10.01.2025)
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