Multifunktionale Bewegungsräume für verändertes Sportverhalten

Das Planungsbüro PS+ Planung von Sportstätten aus Osnabrück plant und realisiert zukunftsorientierte Spiel-, Sport- und Bewegungsräume. Aktuelle Projekte in Bünde, Iserlohn und Celle zeugen von den vielfältigen Möglichkeiten niedrigschwelligen Sports im öffentlichen Raum.

Spiel, Sport und Bewegung sind wesentliche Bestandteile des Alltags. In einer zunehmend urbanisierten Welt mit immer knapper werdender Flächenverfügbarkeit für Freiräume zugunsten von Industriegebieten, Parkplätzen und zunehmender Versiegelung, ist es notwendig, Räume zu erhalten, die Menschen aller Altersgruppen zu aktiver Bewegung motivieren.

Bereits 2014 legte PS+ den Grundstein für die öffentliche Spiel- und Freizeitanlage in Iserlohn.
Bereits 2014 legte PS+ den Grundstein für die öffentliche Spiel- und Freizeitanlage in Iserlohn. Bild: PS+

Verändertes Sportverhalten

In vielen Kommunen zeigt sich ein Wandel im Sportverhalten. Immer mehr Menschen wenden sich Trendsportarten, informellen Bewegungsformen oder individualisierten Sportarten zu. Der Wandel im Sport- und Bewegungsverhalten erfordert eine Neuausrichtung der Planungsansätze: Die Schaffung multifunktionaler Bewegungsräume, die Flexibilität, Inklusion und Anpassungsfähigkeit für alle Altersgruppen bedienen.

Sportplätze und Bewegungsräume sollen so gestaltet werden, dass sie nicht nur den organisierten Sport unterstützen, sondern auch informelle Bewegungsformen, Freizeitaktivitäten und generationenübergreifende Nutzungen ermöglichen. So können sich Kommunen langfristig an die transformierenden Anforderungen anpassen und den Zugang zu Sport und Bewegung sichern. „Durch die langjährige Mitarbeit in der IAKS und die Zusammenarbeit mit Sportentwicklungsbüros verfügt PS+ über die Expertise, diesen Wandel in der Praxis umzusetzen“, berichtet Jonas Heidbreder, Gesellschafter von PS+ und langjähriges Mitglied im Vorstand der IAKS Deutschland.

Sportgelände „In der Läger“, Iserlohn
Sportgelände „In der Läger“, Iserlohn Bild: PS+

Offener Mehrgenerationen-Bewegungspark für Iserlohn

Das Sportgelände „In der Läger“ im sauerländischen Iserlohn galt mit seinem Tennenplatz lange Zeit als sanierungsbedürftig. Im Rahmen des von der Europäischen Union und dem Land Nordrhein-Westfalen unterstützten Förderprogramms „Soziale Stadt“ realisierte PS+ in Iserlohn bereits 2014 eine öffentliche Spiel- und Freizeitanlage, abgestimmt auf die Wünsche der NutzerInnen. Aufgrund der Ergebnisse einer Analyse zum Sportbedarf auf gesamtstädtischer Ebene und einer damit verbundenen Zusammenlegung von Sportanlagen wurde beschlossen, dieses Sportgelände durch die Umwandlung wiederzubeleben.

Die neu gestaltete Fläche besticht nun durch ein 600 qm großes, mit zwei Kleinfeldtoren und einem Basketballkorb ausgestattetes Kleinspielfeld mit Kunststoffbelag und Ballfangzaun. Realisiert wurde außerdem eine Wasser- und Spiellandschaft. Es entstand ein großzügiger Fitnessbereich mit sechs Einzelstationen zum Trainieren aller Muskelgruppen. Durch das barrierefreie Wegesystem wird der Park für alle Nutzergruppen erlebbar. Eine Parcours-Anlage mit Stahl- und Betonelementen, ein Pavillon als Wetterschutz sowie eine Kletterwand runden das Angebot ab. Die Besonderheit stellt die Skate- und BMX/MTB-Arena dar, die aus Ortbeton hergestellt wurde. Eingefasst werden die Sportbereiche von einem weitläufigen, von Bäumen umstandenen Gelände mit Rasenflächen, die zum Aufenthalt und Picknick einladen.

Beteiligung sorgt für Gelingen

Durch Workshops und Befragungsrunden wurden die zukünftigen NutzerInnen eng in den Gestaltungsprozess einbezogen. Einzelne Bereiche wurden gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen entwickelt. Während die Fitnessgeräte, Wasserspielgeräte und Landschaftsbauarbeiten in Gewerken ausgeschrieben wurden, erfolgte die Vergabe der BMX/MTB- und Skateanlage als funktionale Ausschreibung.

„Hierbei konnten Jugendliche als Vergabejury aktiv in den Entscheidungsprozess einbezogen werden“, erinnert sich Ulf Elsner, Gesellschafter bei PS+, der damals die Anlage geplant und in der Bauleitung realisiert hat.

Park am Elsestadion, Bünde
Park am Elsestadion, Bünde Bild: PS+

Von der Wettkampfanlage zum Sport- und Freizeitpark

Kann der Sport- und Freizeitwert im Innenstadtbereich erhöht werden? Diese Frage bildete die Grundlage zur Planung des neuen Parks am Elsestadion in Bünde, welcher bis 2026 fertiggestellt wird. Dafür wird der vorhandene Stadionbereich zurückgebaut – aus der ehemaligen Wettkampfanlage wird ein öffentlicher, generationenübergreifender, multifunktionaler Sport- und Freizeitpark.

„Elsebogen“ bestimmt den Entwurf

Die Else verläuft in einem großen Bogen um die Bünder Innenstadt – der Elsebogen. Diese Bogenform wird in der Gesamtgestaltung des Parks aufgegriffen und spiegelt sich in den unterschiedlichen Bewegungsräumen wider. Das raumprägende Element bildet die 100 m lange Kurzstreckenlaufbahn. Bestehend aus vier Kurzstreckenbahnen bietet sie einen Ort für Sprintdisziplinen. Als Ergänzung für Laufbegeisterte ermöglicht die Finnenlaufbahn eine 400 m Runde.

Unterschiedliche Fitnessgeräte bieten ein ganzheitliches Trainingsangebot inklusive Informationstafeln mit Anwendungshinweisen. Im nördlichen Bereich wird eine Balancier-Anlage angelegt. Diese ist mit verschiedenen Geräten ausgestattet, die darauf ausgelegt sind, von Erwachsenen genutzt zu werden: Balancierpoller, Slack Jack, Balancierbalken sowie ein Seilparcours laden dazu ein, das Gleichgewicht und die Geschicklichkeit zu trainieren.

Angrenzend ist eine Calisthenics-Anlage mit synthetischem Fallschutzbelag vorgesehen sowie ein Bereich für Tischtennisplatten. Sitzmöglichkeiten entstehen durch Sitzmauern mit Holzauflage, Bänken und einem Holzpodest. Vielfältige Nutzungen bietet die ca. 210 qm große Multifunktionsfläche.

Eine weitere Bewegungsmöglichkeit bietet der Barfußpfad. Auf unterschiedlichen Bodenmaterialien – Rundhölzer, Kieselsteine, und Holzscheiben – werden die Sinne angeregt, die Gesundheit und das Naturerlebnis aller Altersklassen gefördert. Zusätzlich zu dem Balancierbereich kann der Barfußpfad das Gleichgewicht, die Koordination und die Achtsamkeit steigern.

Speziell für Kinder entsteht eine Spielfläche mit einer Spielkombination und einer Boulderanlage. Außerdem enthält der Spielplatz inklusive Elemente und ist barrierefrei zugänglich.

Ergänzt werden eine Seilbahn und eine große Schaukel. Eine Spiel- und Liegewiese bietet großzügig Platz zum Verweilen und zum Spielen. Zur Auflockerung und Gestaltung der Fläche werden Erdhügel modelliert.

„Wichtig waren uns bei der Planung die vielfältigen Möglichkeiten zum Aufenthalt, als Treffpunkt und zum Chillen. So gibt es Stehtische, Sitz- und Liegeflächen aus Holz und Tisch-Bank-Kombinationen mit verlängerter Tischplatte für Rollis“, hebt Ulrike Moser, Landschaftsarchitektin bei PS+ hervor.

Konzeptstudie: Nachnutzung einer Rundlaufbahn
Konzeptstudie: Nachnutzung einer Rundlaufbahn Bild: PS+

Blick über den Tellerrand – Konzeptstudie zur Nachnutzung einer Rundlaufbahn

Wenn Wettkampfanlagen nicht mehr intensiv genutzt werden, die Fläche jedoch weiterhin unter dem Aspekt des Sports und der Bewegung erhalten bleiben soll, bietet es sich an, der großen Fußballwiese im Zentrum einer Rundlaufbahn eine neue Funktion zuzuweisen. Diese Umnutzung wird den Raum neu beleben und den vielfältigen Ansprüchen neuartiger Sportarten gerecht, während die Rundlaufbahn weiterhin als Bestandteil der Anlage erhalten bleibt. „Inspiriert durch einen Vortrag von Flemming Overgaard von KEINGART aus Dänemark über die Uni-Sportanlage in Odense im Rahmen eines IAKS-Seminars sorgte die anschließende Exkursion 2018 zur Besichtigung eben dieser für nachhaltige Begeisterung einer solchen Umnutzung“ schwärmt Jonas Heidbreder noch heute. Welche Potenziale entstehen können, wird beispielhaft an einer PS+-Konzeptstudie zur Nachnutzung einer Rundlaufbahn deutlich.

Die Rundlaufbahn wird ergänzt durch einen innenliegenden Asphaltweg, der für alle Rollsportarten, wie Scooter, Inliner oder Rollschuhfahrer, genutzt werden kann. Die große Wiese in der Mitte bietet Platz für Multifunktionsspielfelder, die die Sportarten Fußball, Handball, Basketball oder 3x3 kombinieren.

Auch Trendsportarten wie Padel oder Pumptrack finden hier ihren Bereich. Ein Beachvolleyballfeld, Kletterfelsen und ein grünes Klassenzimmer ermöglichen Treffpunkte, Aufenthalt und Gruppenaktivitäten.

Hermann-Billung-Gymnasium, Celle
Hermann-Billung-Gymnasium, Celle Bild: PS+

Raum für Trendsportarten

Die Trendsportart, die bisher vor allem in Hallen und TV-Studios begeistert – Ninja Run – findet allmählich auch eine Umsetzung im Outdoor-Bereich. Als verbindendes Element zwischen der Schulsportanlage und dem Parkplatz des Hermann-Billung-Gymnasiums in Celle plant PS+ derzeit einen modernen Ninja-Parcours. Gefördert durch öffentliche Mittel findet die Realisierung ab 2025 statt. Von Sprung-Trapezen und hängenden Boxsäcken mit Netzummantelung, über halbe Kunststoffkugeln und fliegende Wände, bis hin zu Balancierstangen, fliegenden Tellerschaukeln und einer Kletterwand: Mehrere fest montierte Hindernisse mit aufeinander folgenden Disziplinen bieten Herausforderungen für junge Abenteurer.

Bild: PS+

Bei allen Planungen beachtet PS+ auch die Auswirkungen des Klimawandels und nachhaltige Aspekte. In der Stadt Celle bedeutet dies Flächenentsiegelung und die Berücksichtigung des neuen und innovativen Stockholmer Modells, bei dem das Niederschlagswasser aufgefangen und den Bäumen zugeführt wird. Ein spezielles Entwässerungssystem leitet Oberflächenwasser in begrünte Mulden, während eine unterirdische Zisterne das Regenwasser für die Bewässerung neuer Pflanzen speichert. Rund um den Parcours und die Sporthalle laden Aufenthaltsflächen mit Sitzblocksteinen und Holzpodesten zum Verweilen ein. „Natürlich müssen im Outdoorbereich nicht nur die Bewegungsabläufe bedacht werden, sondern auch die Funktionalität sowie ausreichende Robustheit und Schutz vor Vandalismus. Anders als im Indoor-Bereich, wo die Anlage vor jedem ‚Run‘ hergerichtet wird, soll im Außenbereich der Parcours von Jedem ohne große Vorbereitung durchlaufen werden können“ betont Inken Müller-Kirchmann, Landschaftsarchitektin bei PS+. (Sportplatzwelt, 11.12.2024)

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