„Einige sinnvolle Anpassungen“

Im Interview mit Sportplatzwelt gibt Dipl.-Ing. Jonas Heidbreder, Landschaftsarchitekt und Gesellschafter bei PS+ Planung von Sportstätten, Einblicke in die wesentlichen Änderungen an der DIN 18035-3.

Die DIN 18035-3 „Sportplätze – Entwässerung“ wurde im vergangenen Jahr in einigen Punkten angepasst: Neben der „klassischen“ Entwässerung
über ein unterhalb des Spielfelds verlegtes Rohr-Dränagesystem hat das LfULG zum Jahresbeginn 2024 in einer Versuchsreihe einen neuen Lösungsansatz entwickelt, der ohne Rohrleitungen auskommt – und im Sommer 2025 offiziell in die DIN 18035-3 aufgenommen wurde.

Bei der „rohrlosen Dränage“ wird lediglich ein Stauraum geschaffen, der unterhalb der Sportflächen Sickerwasser aufnimmt und in den Baugrund abgibt. Dabei wird das Niederschlagswasser über Sickerpackungen im Erdplanum zur Versickerung gebracht, ohne es fassen und von der Sportanlage ableiten zu müssen. Bautechnische Standards wie die Entwässerungsrichtung und der Abstand der Packungen zueinander bleiben unverändert bestehen. Ein Lösungsansatz, der eine deutlich nachhaltigere Entwässerung ermöglichen soll – allerdings nur bei besonders durchlässigem Baugrund.

Dipl.-Ing. Jonas Heidbreder
Dipl.-Ing. Jonas Heidbreder Bild: PS+ Planung von Sportstätten
Sportplatzwelt: Welche Vorteile bieten rohrlose Dränagesysteme?
Heidbreder: Auch wir haben mit der neuen Bauweise erste gute Erfahrungen gemacht. Der wichtigste Punkt ist sicherlich, dass das Niederschlagswasser direkt vor Ort wieder versickert und so der Grundwasserneubildung zugutekommt. Anders als sonst wird das Wasser nicht zentral, sondern auf der Fläche dezentral versickert. Darüber hinaus ist es aus unseren Erfahrungen deutlich einfacher rohrlose Sickerpackungen zu realisieren, da diese häufig genehmigungsfrei sind. Somit kann der Einleitungs- oder Versickerungsantrag entfallen oder deutlich reduzierter ausfallen.

Sportplatzwelt: Für welche Projekte sind sie hingegen weniger geeignet?
Heidbreder: Die rohrlose Sickerpackung stößt an ihre Grenzen, wenn die Wasserdurchlässigkeit des Baugrunds zu gering ist. Hier macht die Norm in Abhängigkeit von den Bodenwerten (Kf-Wert) genaue Vorgaben. Zentrale Versickerungskörper (Versickerungsblöcke oder Rohrrigolen) haben hier natürlich den Vorteil, dass diese mehr Pufferspeicher aufweisen und somit das Wasser länger speichern, bevor es langsam in den Baugrund versickert.

Zusätzlich stellt sich natürlich immer auch die Frage, wie mit weiteren umliegenden Flächen umgegangen werden kann, zum Beispiel mit Dachflächen oder Wegeflächen. Unser Planungsbüro PS+ Planung von Sportstätten plant auch große Gesamtanlagen. Hier müssen dann neben den rohrlosen Dränagen auch zusätzlich zentrale Versickerungsanlagen, wenn erforderlich auch mit Filteranlagen, geplant werden. Bei der Planung ist es hier absolut wichtig, Kosten und Nutzen abzuwägen und zusammen mit der Bauherrenschaft und der Genehmigungsbehörde eine optimale Lösung zu finden.

Dieses Interview ist auch in der 5. Auflage des KOMPENDIUM SPORTPLATZ erschienen. Das KOMPENDIUM SPORTPLATZ 2026 steht Ihnen ab sofort im Stadionwelt-Shop zur Verfügung. Registrierte Nutzer von Sportplatzwelt+ erhalten nicht nur kostenfreien Zugriff auf das eBook, sondern auch 50 % Rabatt auf die Printpublikation.

Folgende weiterere spannende Themen rund um die nachhaltige Entwässerung von Sportplätzen erwarten Sie in der Neuauflage des KOMPENDIUM SPORTPLATZ:

- Möglichkeiten für die Entwässerung von Sportfreianlagen
- Alles zu den neuen rohrlosen Dränagesystemen
- Bewertung der Wasserqualität
- Verschiedene Bodenaufbauten und ihre Wasserinfiltrationsraten
- Einspeisung, Rückhaltung und Überflutung
- andere Verwendungszwecke für überschüssiges Niederschlagswasser

Sportplatzwelt: Welche Vorteile ergeben sich durch die neuen Abflussbeiwerte und die verpflichtende Verwendung von KOSTRA-Daten?
Heidbreder: Die neuen Abflussbeiwerte sind einfach praxisnäher, wodurch Wassermengen und die daraus resultierenden Puffervolumen realistischer abgebildet werden. Ein Beispiel aus der Praxis zeigt dies eindrucksvoll. In der alten DIN 18035 Teil 3 war der Abflussbeiwert für Kunststoffrasenflächen bei 0,3, in der DIN 1986-100 lag der Cm-Wert sogar bei 0,5 und der von Sportrasen bei 0,1, obwohl die Wasserdurchlässigkeit beim Kunststoffrasen mit mindestens 360 mm/h deutlich über der vom Sportrasen liegt.

Die abzuleitende Wassermenge beim Kunststoffrasen war somit in der Berechnung 3- bis 5-mal so hoch wie bei einem Sportrasen. Diese Werte wurden nun angepasst. In Zukunft dürfen wir nach der DIN 18035 Teil 3 beim Sport- und Kunststoffrasen mit einem Abflussbeiwert Cm von 0,1 rechnen. Im gleichen Zuge wurde eine weitere sinnvolle Anpassung durchgeführt. Früher wurde in der Sportplatzplanung ein pauschaler Bemessungsregen von r = 120 l/(s ha) angesetzt.

Zukünftig sieht auch die DIN 18035 die Verwendung der örtlichen Regenreihen für die jeweilige Region vor, wie dies im Regelfall bereits auch jetzt schon von den Genehmigungsbehörden in Anlehnung an die DWA und DIN 1986 gefordert wurde. Als Berechnungsgrundlage muss nun, wie für andere Grundstücksflächen auch, die Regenspende r (5,2 bzw. 15,2) aus der jeweiligen Regenreihe herangezogen werden. Diese Vorgehensweise und Vereinheitlichung ist absolut richtig und nachvollziehbar, da sich insbesondere Spitzenniederschläge regionsabhängig stark unterscheiden.

Zum Abschluss muss aber unbedingt angeführt werden, dass sich die meisten Behörden bei der Genehmigung nicht an der DIN 18035 orientieren, sondern an der DIN 1986-100. Eine Anpassung bzw. Übernahme der Werte von der DIN 18035 in die DIN 1986 soll zukünftig erfolgen. Bis dahin sollten Planende bei Einleitungs- oder Versickerungsanträgen diesen Sachverhalt anführen und sich auf die neue aktuellere DIN 18035 Teil 3 beziehen, da diese neue Norm die Abflussmengen realistischer abbildet. (Sportplatzwelt, 30.04.2026)

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