Porträt: Moderner Neuanfang für historisches Bad

Das Merkel’sche Schwimmbad in Esslingen gilt als eines der schönsten Jugendstilbäder in Deutschland. Das historische Bad wurde umfassend saniert und gilt als beispielhaft für die energetische Sanierung denkmalgeschützter Bäder.

Das Merkel’sche Schwimmbad in Esslingen wurde, vom Wollfabrikanten Oskar Merkel gestiftet und erbaut, im Jahr 1907 eröffnet. Die mehr als 100 Jahre Geschichte sind dabei allerdings nicht spurlos am Jugendstilbad vorübergegangen: Vor allem energetisch konnte das Bad nicht mehr mit den aktuellen Standards mithalten, die Barrierefreiheit ließ vielerorts zu wünschen übrig. Die Stadtwerke Esslingen als zuständiger Betreiber sowie die Stadt Esslingen entschlossen sich in der Folge dafür, das denkmalgeschützte Jugendstilbad ab Herbst 2023 umfassend zu sanieren und als „kulturelles Erbe“ zukünftigen Generationen zu erhalten. Mittlerweile sind die Sanierungsarbeiten vollständig abgeschlossen.

Bild: Anita Krämer

Einem ersten Probebetrieb und verschiedenen Testläufen Anfang 2025 folgten eine Teil-Inbetriebnahme für Schulen und Vereine im März sowie die öffentliche Inbetriebnahme im Herbst 2025. Heute verfügt das Merkel’sche Schwimmbad über umfassende Angebote für sport- und freizeitorientierte Schwimmerinnen und Schwimmer: Ein Mineral-Thermalbad, ein Dampfbad, fünf verschiedene Saunaräume samt Gastronomie und Außenbereich sowie ein Sportbad mit sechs Bahnen, Sprungturm und Lehrschwimmbecken.

Bild: Peter Göbel
Im Mittelpunkt stand dabei vor allem die Verbesserung der Barrierefreiheit und des energetischen Gesamtzustands des Gebäudes. So wurde der in einer früheren Sanierung umgestaltete Eingangsbereich wieder in seinen historischen Originalzustand versetzt und die alten Kassen in den früheren Snack-Bereich verlegt. Um einen barrierefreien Zugang zu allen Ebenen des Bads zu gewährleisten, wurde eine neue Liftanlage installiert. Um den energetischen Zustand der Gebäudehülle zu verbessern, wurden die Außenwände neu gedämmt und eine zusätzliche Glasfassade vor den historischen Buntglasfenstern installiert.

Auch die verschiedenen Beckenbereiche wurden umfassend umgestaltet und saniert: Alle Schwimmbecken wurden mit neuen Edelstahlwannen mit Überlaufrinnen ausgestattet, die alte Tribüne wurde vollständig zurückgebaut und durch Wärmebänke ersetzt – und auch der alte Sprungturm wurde im Zuge der Sanierung durch eine moderne Sprunganlage mit 3-Meter-Turm und 1-Meter-Brett ersetzt. Zudem wurden alle Boden- und Wandflächen sowie die Decke des Schwimmbads erneuert. Das neue Lehrschwimmbecken im Merkel’schen Schwimmbad wurde – wie die Schwimmbecken – ebenfalls mit einer Edelstahlverkleidung ausgestattet, Decken und Böden wurden erneuert und ein neuer Zugang zum Duschbereich geschaffen.

Bild: Anita Krämer

Jörg Zou, Geschäftsführer der Stadtwerke Esslingen: „Auch durch die finanzielle Unterstützung vom Bund können wir einen besonderen Fokus auf die energetische Umgestaltung der Gebäudehülle und eine nachhaltige Badewassertechnik legen, was nicht nur langfristig Kosten spart, sondern auch ökologisch wertvoll ist.“ Der Bund unterstützte das 12,5 Mio. Euro teure Sanierungsprojekt mit insgesamt 5,62 Mio. Euro aus seinem SJK-Programm. Neben der energetischen Sanierung der Gebäudehülle wurden im historischen Jugendstilbad auch die gesamte Badewassertechnik von Pumpen, Filtern und Schwallwasserbehältern bis hin zu Chlorungsanlagen, Leitungen und Elektrik sowie große Teile der Lüftungsanlagen erneuert. Und auch das Abwasser des Schwimmbads wird künftig wiederverwertet und dem Grünflächenamt als Gießwasser zur Verfügung gestellt – so spare die Stadt rund 19.500 Euro Betriebskosten und etwa 9 Tonnen CO2 pro Jahr ein.

Bild: Anita Krämer
Im Mineral-Thermalbad, mit seiner historischen Stuckdecke und der Galerie mit Sicherheit eines der Highlights des Jugendstilbads, läuft der Betrieb künftig deutlich energiesparender und nachhaltiger: Künftig kommt hier natürliches, rund 30°C warmes Thermalwasser zum Einsatz, das – gewonnen aus 165 Metern Tiefe – nur um 4° C erwärmt werden muss. Generell erfolgt die gesamte Wärmeversorgung des Schwimmbads ab sofort mit umweltfreundlich erzeugter Wärme aus dem Fernwärmenetz der Stadtwerke Esslingen. Ein zusätzlich installiertes Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung und eine auf dem Dach installierte Photovoltaik-Anlage mit „Full-Black“-Modulen runden das energetische Gesamtkonzept des sanierten Schwimmbads ab.

Mit der Sanierung des Merkel’schen Bads hat die Stadt Esslingen ihren bis ins Jahr 2018 zurückreichenden Sanierungsplan für kommunale Schwimmbäder fortgesetzt: Bereits 2018/19 wurde das Neckarfreibad saniert, die Wiederöffnung des sanierten Hallen-Freibads Berkheim erfolgte im Juni 2021. Insgesamt hat die Stadt Esslingen seit 2018 rund 25 Mio. Euro in die Sanierung der Esslinger Bäderlandschaft investiert – die jetzt abgeschlossene Sanierung des Merkel’schen Schwimmbads stellt somit nicht nur finanziell den Höhepunkt der gesamtstädtischen Sanierungsvorhaben in Esslingen dar. (Sportplatzwelt, 14.11.2025)

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