„Unternehmen können zur Digitalisierung beitragen“
Im Interview mit Sportplatzwelt spricht Anna Rapp, Leiterin Gesellschaftliches Engagement bei BASF SE, über das Förderprojekt „Sportverein der Zukunft“, im Rahmen dessen das Unternehmen Vereine bei der digitalen Transformation begleitet.

Rapp: Die Grundidee hinter dem Projekt „Sportverein der Zukunft“ ist es, Sportvereine in der Metropolregion Rhein-Neckar gezielt dabei zu unterstützen, sich zukunftsfähig aufzustellen – ein Schwerpunkt liegt dabei auf dem demografischen Wandel. Auslöser für das Engagement von BASF in diesem Bereich war die Beobachtung, dass viele Vereine mit tiefgreifenden Veränderungen und Herausforderungen konfrontiert sind: Die Mitgliederstrukturen altern, der Wettbewerb um den Nachwuchs nimmt zu, und die Bedürfnisse der Menschen werden vielfältiger. Diese Entwicklungen stellen die Vereine vor große Aufgaben, die sie nicht allein bewältigen sollten – und auch nicht müssen.
BASF hat sich daher zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit starken Partnern wie Two Circles, dem Badischen Sportbund Nord, dem Sportbund Pfalz, den Sportkreisen Bergstraße und Worms sowie der Sportregion Rhein-Neckar nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Im Fokus stehen dabei wechselnde Themen wie der demografische Wandel, Inklusion und Integration sowie die Digitalisierung. BASF verfolgt mit diesem Engagement das Anliegen, das gesellschaftliche Potenzial der Sportvereine zu entfalten – als Orte der Begegnung, der Teilhabe und des sozialen Zusammenhalts. Es geht darum, Barrieren abzubauen, Vielfalt zu fördern und die Vereine fit für die Zukunft zu machen.
Sportplatzwelt: Was sind Ihrer Ansicht und Erfahrung nach die größten Herausforderungen bei der Digitalisierung von Breiten- und Amateursportvereinen in Deutschland – und wie setzt das BASF-Projekt hier an?
Rapp: Die Digitalisierung von Breiten- und Amateursportvereinen in Deutschland steht vor mehreren Herausforderungen:
- Finanzielle Ressourcen: Viele Vereine haben begrenzte Budgets, was die Investition in digitale Technologien erschwert. Die knappen staatlichen Fördermittel machen es schwierig, notwendige finanzielle Mittel zu sichern.
- Digitale Kompetenz: Oft fehlt es an Fachwissen und digitalen Fähigkeiten innerhalb der Vereinsstrukturen. Ehrenamtliche Mitarbeiter sind häufig nicht ausreichend geschult, um moderne Technologien effektiv zu nutzen.
- Technologische Infrastruktur: Viele Vereine verfügen nicht über die notwendige technische Ausstattung oder Infrastruktur, um digitale Lösungen zu implementieren. Dies schließt sowohl Hardware als auch Software ein.
- Akzeptanz und Veränderungsbereitschaft: Die Einführung neuer Technologien stößt häufig auf Widerstand. Mitglieder und Funktionäre sind manchmal skeptisch gegenüber Veränderungen und der Nutzung digitaler Tools.
- Datenschutz und Sicherheit: Die Digitalisierung bringt auch Herausforderungen im Bereich Datenschutz mit sich. Viele Vereine sind unsicher im Umgang mit sensiblen Daten ihrer Mitglieder.
Die Initiative unterstützt die Breitensportvereine der Metropolregion Rhein-Neckar im digitalen Wandel und bietet ihnen vielfältige Möglichkeiten der zukunftsgerichteten digitalen Weiterentwicklung. Diese reichen von einer effizienten Vereinsverwaltung über ein verbessertes und erweitertes Sportangebot bis hin zu einer passgenauen Vereinskommunikation, um nur einige zu nennen. Vereine werden in einem strukturierten Prozess zur erfolgreichen Durchführung eines gewünschten Digitalisierungsprojektes angeleitet.
Sportplatzwelt: Wie unterstützt das Projekt Vereine konkret bei ihrer digitalen Transformation – und welche Formate und Werkzeuge kommen dabei zum Einsatz?
Rapp: Um die erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierungsprojekte zu gewährleisten, folgt die Initiative „Sportverein der Zukunft – mit BASF fit für die Digitalisierung“ einem klaren Ablaufplan.
Dieser ermöglicht es den Sportvereinen, mit professioneller Hilfe von der anfänglichen Problem¬stellung über ein mehrstufiges Coaching-Konzept bis hin zur Fertigstellung Ihres Digitalisierungsprojekts zu gelangen und die gesammelten Erfahrungen auf einer Abschluss-veranstaltung mit weiteren digitalinteressierten Vereinsvertretern zu teilen.
Der Ablauf des Coachings von Sportverein der Zukunft sieht folgende Stationen vor: Vorab füllen die Vereine einen Digital-Check aus und reichen damit ihre Bewerbung für die Initiative ein. Eine Fach-Kommission wertet die Bewerbungen aus und vergibt die Zusagen an die Vereine.
- Auswertungsgespräch zur individuellen Auswertung des Digital-Checks erhalten und digitale Entwicklungspotenziale erkennen
- An der Einführungsveranstaltung zur Digitalisierung im Sportverein teilnehmen und eigenes Digitalisierungsprojekt festlegen
- Konkretisierung der Idee zum Digitalisierungsprojekt bis hin zum themenspezifischen Coaching
- Themenspezifisches Coaching in den Bereichen Kommunikation, Mitgliederwesen, Organisation oder Sportangebot
- Einreichung des Projektplans für die erfolgreiche Umsetzung des Digitalisierungsprojekts
- Inhaltliche Rückmeldung zur Projektplanung von den Coaches erhalten
- Projektförderung beantragen und bis zu 2.000 € für die Umsetzung des gewünschten Digitalisierungsprojekts erhalten
- Hilfestellung zur erfolgreichen Projektdurchführung in den fortlaufenden digitalen Fortschrittsmeetings bekommen
- Im Anschluss an das letzte digitale Fortschrittsmeeting Vorbereitung der Präsentation für das Abschlusscoaching
- Finales Feedback zum durchgeführten Digitalisierungsprojekt im Abschlusscoaching erhalten und bereits neue Impulse durch die Arbeiten der weiteren Teilnehmervereine sammeln
- Digitale Teilnahme an der Abschlussevaluation der Initiative Sportverein der Zukunft
- Teilnahme am Best Practice Kongress und Austausch mit digital interessierten Vereinsvertretern sowie mögliche Auszeichnung für ein herausragendes Digitalisierungsprojekt
Weitere Informationen zum Ablauf finden Sie hier.
Sportplatzwelt: Wie sehen Sie die Rolle der Wirtschaft – auch über BASF hinaus – bei der digitalen Entwicklung des gemeinnützigen Sports in Deutschland – vor allem im Hinblick auf knappe staatliche Fördermittel?
Rapp: Unternehmen können auf verschiedene Weise zur Digitalisierung beitragen:
- Finanzielle Unterstützung: Unternehmen wie BASF und andere Sponsoren können finanzielle Mittel bereitstellen, die für digitale Initiativen im Sport benötigt werden. Diese Mittel können dazu verwendet werden, digitale Plattformen zu entwickeln, die Vereinsmanagement, Mitgliederverwaltung und Online-Training unterstützen.
- Technologische Innovation: Die Wirtschaft kann technologische Lösungen anbieten, die den gemeinnützigen Sport unterstützen. Das kann von der Bereitstellung von Software für die Verwaltung bis hin zu innovativen Trainingsapps reichen, die Athleten helfen, ihre Leistungen zu verbessern.
- Partnerschaften und Kooperationen: Durch Partnerschaften zwischen Unternehmen und Sportvereinen können Synergien geschaffen werden. Unternehmen können ihre Expertise im Bereich Digitalisierung einbringen, während Sportvereine einen Zugang zu neuen Zielgruppen bieten.
- Mentorship und Schulung: Unternehmen können Programme zur Schulung und Weiterbildung anbieten, die Sportvereine und Trainer in digitalen Fähigkeiten schulen. Dies fördert nicht nur die digitale Kompetenz, sondern auch die nachhaltige Entwicklung von Sportvereinen.
- Nachhaltige Initiativen: Die Wirtschaft kann auch zur Förderung nachhaltiger Projekte im Sport beitragen, die oft mit digitalen Lösungen kombiniert werden. Beispielsweise können Unternehmen Projekte unterstützen, die den Einsatz von erneuerbaren Energien in Sportstätten fördern.
- Förderung von Inklusion: Digitale Plattformen können dazu verwendet werden, den Zugang zum Sport für verschiedene Bevölkerungsgruppen zu erleichtern. Unternehmen können sich engagieren, um inklusive Sportangebote zu schaffen, die digitale Technologien nutzen.
Insgesamt ist die Wirtschaft ein wichtiger Akteur, der nicht nur finanzielle Mittel bereitstellen kann, sondern auch technologische Innovationen und Fachwissen, um die digitale Transformation im gemeinnützigen Sport voranzutreiben. Diese Zusammenarbeit kann dazu beitragen, den Sport in Deutschland zukunftsfähig zu gestalten.
Sportplatzwelt: Das Projekt „Sportverein der Zukunft“ wurde jüngst bis 2028 verlängert. Wie fiel das bisherige Feedback der bis dato geförderten Vereine aus?
Rapp: Die Rückmeldungen der bislang geförderten Vereine zum Projekt „Sportverein der Zukunft“ fallen durchweg positiv aus. Viele Vereine zeigen sich dankbar für die Möglichkeiten, die ihnen durch die Initiative eröffnet wurden – sei es in Form von fachlicher Begleitung, praxisnahen Impulsen oder konkreter Unterstützung bei der Umsetzung von Projekten. Besonders hervorgehoben wird die Motivation, sich nun auch weiteren Digitalisierungsvorhaben zu widmen, die zuvor vielleicht noch als zu komplex oder ressourcenintensiv galten.
Die teilnehmenden Vereine beschreiben ihre Erfahrungen als „spannend, bereichernd und hilfreich“ – und betonen, wie viele neue Erkenntnisse sie bereits in kurzer Zeit gewinnen konnten. Diese Rückmeldungen zeigen uns, dass das Projekt nicht nur Impulse setzt, sondern nachhaltige Wirkung entfaltet – und bestärken uns in der Entscheidung, die Initiative bis 2028 fortzuführen. (Sportplatzwelt, 08.08.2025)



