„E-Sport darf kein isoliertes Bildschirmangebot sein“
Im Interview spricht Leon Ries, Vorstand Jugendsport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), über die neue DOSB E-Sport gGmbH und die Rolle des E-Sport für den Breitensport und die Vereinsentwicklung.

Ries: Ziel der DOSB E-Sport gGmbH ist es, E-Sport im organisierten Sport verantwortungsvoll, werteorientiert und strukturiert zu entwickeln. Es geht nicht darum, klassische Sportangebote zu ersetzen, sondern digitale Lebenswelten junger Menschen mit den Stärken des organisierten Sports zu verbinden: Gemeinschaft, Fairness, Gesundheit, Bildung, Teilhabe und Engagement.
Die eigene Struktur als gGmbH wurde geschaffen, um diese Aufgabe klar, professionell und handlungsfähig umzusetzen. Sie ermöglicht eine operative Einheit mit klarer Governance, wirtschaftlicher Transparenz und gemeinnütziger Ausrichtung. Der DOSB setzt damit bewusst auf eine Struktur, die einerseits beweglich genug ist, um in einem dynamischen digitalen Umfeld zu agieren, andererseits aber vollständig an den Werten und Kontrollmechanismen des organisierten Sports ausgerichtet bleibt.
„Es braucht eine klare gemeinnützige Struktur.“
Sportplatzwelt: Welche strategischen und rechtlichen Mechanismen setzt der DOSB ein, um sicherzustellen, dass der gemeinnützige Sport nicht langfristig in ein Abhängigkeitsverhältnis zu gewinnorientierten Spieleentwicklern gerät?
Ries: E-Sport unterscheidet sich von klassischen Sportarten dadurch, dass Spieltitel und Wettbewerbsumgebungen häufig von privatwirtschaftlichen Rechteinhabern geprägt sind. Genau deshalb braucht es eine klare gemeinnützige und sportpolitische Struktur. Der DOSB setzt hier auf mehrere Mechanismen: Klare Governance durch den DOSB, transparente Entscheidungsprozesse, Compliance- und Interessenkonfliktregeln, unabhängige Auswahl- und Förderkriterien sowie eine strikte Trennung zwischen gemeinnütziger Förderung und kommerziellen Einzelinteressen. Die gGmbH versteht sich nicht als verlängerter Arm einzelner Publisher oder Ligen, sondern als gemeinwohlorientierte Struktur für Athletinnen und Athleten, Vereine, Verbände und gesellschaftliche Verantwortung im digitalen Raum. Kooperationen mit Unternehmen sind möglich und notwendig, aber immer auf Basis klarer Regeln, Transparenz und der Werte des organisierten Sports.
Bei diesem Interview handelt es sich um eine gekürzte Fassung. Die vollständige Version des Artikels finden Sie in der aktuellen Ausgabe 2-2026 des Sportplatzwelt MAGAZIN. Jetzt für Sportplatzwelt+ registrieren, um Zugriff auf das eBook zu erhalten.

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Sportplatzwelt: Welche Rolle soll die neue gGmbH bei Nationalteams, Förderstrukturen und internationalen Wettbewerben spielen?
Ries: Die DOSB E-Sport gGmbH soll eine zentrale operative Rolle beim Aufbau und der Betreuung deutscher E-Sport-Nationalteams übernehmen. Dazu gehören perspektivisch transparente Auswahlprozesse, Athletenbetreuung, Coaching, Leistungsentwicklung, Gesundheit, mentale Stärke, Anti-Doping- und Integritätsfragen sowie internationale Repräsentation. Darüber hinaus soll die gGmbH Förderstrukturen entwickeln, die Talente nicht nur sportlich, sondern ganzheitlich begleiten – also auch in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Persönlichkeitsentwicklung und verantwortungsvolles Gaming. Dies alles in enger Kooperation mit der „esports player foundation“, die als „not-for-profit“-Organisation hier in den letzten Jahren Maßstäbe gesetzt hat. Bei internationalen Wettbewerben kann die gGmbH als koordinierende Einheit auftreten, die deutsche Interessen bündelt und dafür sorgt, dass Deutschland verlässlich, professionell und werteorientiert vertreten wird. [....]
(Sportplatzwelt, 23.07.2026)



