„Die Fläche dämmen, um den Energiebedarf zu senken“
Im Interview spricht Dominic Heiler von der heiler GmbH & Co. KG über Themen, die sich aus den Anforderungen vor allem der 3. Liga für Rasenheizungen und die Verwendung erneuerbarer Energiequellen ergeben.
Stadionwelt: Herr Heiler, mit dem Start der Saison 2024/25 sind für die 3. Liga neue Anforderungen für die Rasenheizung in Kraft getreten. Unter anderem müssen Neuanlagen eine Wärmedämmung erhalten, auch werden erneuerbare Energiequellen eigefordert. Was halten Sie von dieser neuen Regelung?
Heiler: Pauschal gesagt: Das war dringend notwendig! Vorher wurde bei Rasenheizungen gar nicht über Nachhaltigkeit und Energieeinsparung nachgedacht. Dabei arbeiten die Vereine immer aktiver mit entsprechenden Vorgaben und richten sich perspektivisch darauf aus. Bei den Büroflächen spart man heute Strom- und Heizkosten ein – aber die Freiflächennutzung mit der Rasenheizung macht einen signifikanten Anteil des gesamten Energieverbrauchs aus.
Im Übrigen kann man sich in der 3. Liga nicht mehr um das teure Einschalten der Rasenheizung winden, wie es vor einigen Jahren vielleicht noch ging. In den neuen Statuten wurden die Strafen nach oben gesetzt und man muss schon im Vorfeld ein Ausweichstadion benennen, sodass witterungsbedingte Absagen und Spielverschiebungen ein Riegel vorgeschoben wurden.
Stadionwelt: Ist es nicht ein interessanter Aspekt, dass dieses Thema jetzt über die 3. Liga auf die Agenda kommt?
Heiler: Das ist es in der Tat. Der DFB hat mit den Drittliga-Vorgaben die DFL überholt. Solche Anforderungen gibt es in der 1. Und 2. Bundesliga – bis jetzt jedenfalls – noch nicht.
Stadionwelt: Lässt sich Wärmedämmung auch nachrüsten, oder handelt es sich zwangsläufig um einen Neu-Einbau – und zu welchem Preis?
Heiler: Die Rohre der Rasenheizung liegen oberhalb der Dränage. Die Dämmung muss allerdings zwischen Erdplanum und Rasenheizung liegen. Es bleibt daher keine andere Wahl, als das gesamte System, also Rasen, Rasentragschicht und Drainschicht auszutauschen. Der Kostenrahmen für den Neubau eines kompletten Rasenspielfelds liegt insgesamt bei etwa 1 Mio. Euro. Hiervon macht die Dämmung rund 150.000 Euro aus und die Rasenheizung 200.000 Euro.
Stadionwelt: Und wie lässt sich die Sache mit den erneuerbaren Energiequellen umsetzen und nachweisen?
Heiler: Das ist der große Knackpunkt. Viele Kunden, die über einen nachhaltigen Betrieb nachdenken, wünschen sich eine Wärmepumpe, was in dieser Größenordnung aber schwierig umzusetzen ist. Meist gibt der Stromanschluss das nicht her, oder der städtische Versorger macht das nicht mit. Längst nicht jeder Standort kann eine Warmwasser-Quelle nutzen, wie es in Augsburg der Fall ist oder mit einer Luftwärmepumpe arbeiten, wie etwa in München. Der Anteil der erneuerbaren Energien im Fernwärmenetz klappt je nach Standort mal besser, mal schlechter. Das wird in Zukunft das große Thema sein. Unserer Meinung nach ist es da schon richtig, wenigstens die Fläche weitgehend zu dämmen, um den Energiebedarf zu senken.
Stadionwelt: Niemand weiß jemals, wie kalt die Spieltage im kommenden Winter werden. Daher fällt es schwer, Kostenrechnungen aufzustellen. Könnte sich der proaktive bzw. vorzeitige Einbau einer Dämmung dennoch amortisieren?
Heiler: Man muss zwischen den ersten beiden Bundesligen und der 3. Liga unterscheiden. Bei Letzterer geht es vornehmlich darum, in Frostperioden überhaupt den Spielbetrieb durchführen zu können. Die Bundesligisten hingegen heizen im Winter tendenziell durchgehend, um das Pflanzenwachstum zu fördern und gleichmäßige Bedingungen zu schaffen.
Man baut ein neues Spielfeld mitsamt Rasenheizung für einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren. Eine Dämmung kann eine signifikante Energieeinsparung von ca. 30% bringen, sodass sich die Investition auch schon mit Blick auf 5 bis 10 Jahre lohnen kann. In der 3. Liga wird man das wohl eher nicht ins Auge fassen, wenn man nicht schon vor dem Ende des Lebenszyklus des eingebauten Systems steht. Nur über die Dämmung allein wird sich der Neubau des gesamten Spielfelds bei dem punktuellen Einsatz der Rasenheizung nicht rechnen.
Stadionwelt: Wie viele Fußballstadien betreut heiler in der Saison 2024/25 im Greenkeeping oder mit weiteren Bau- und Unterhaltsleistungen?
Heiler: Pflegeverträge für das gesamte Greenkeeping haben wir aktuell in Mainz, Wiesbaden, Darmstadt und für den DFB-Campus. Wir sind darüber hinaus an vielen weiteren Standorten mit Pflegemaßnahmen in unterschiedlichem Umfang eingebunden.
Stadionwelt: Wie viele Umbauten nach aktuellen Anforderungen haben Sie schon durchgeführt?
Heiler: In der zurückliegenden Sommerpause haben wir im Saarbrückener Ludwigspark die Rasenheizung eingebaut, wie zuvor schon beim SC Verl und im Berliner Mommsenstadion. Was die Bundesliga betrifft, haben wir 2021 schon in der BayArena die Rasenheizung mit Dämmung eingebaut. Des Weiteren waren es mehrere Trainingsplätze, wobei die nicht unter die neue Regelung fallen.
Wir können solche Aufträge gut und effizient erledigen, weil wir alle Gewerke aus einer Hand anbieten. So können wir auch den Austausch einer Rasenheizung innerhalb einer Sommerpause schnell über die Bühne bringen. Wenn wir über die Ausschreibung die gesamte Bauleitung eines Projektes bekommen, bleiben auch typische Probleme durch Schnittstellen aus, wie sie häufig entstehen, wenn die Gewerke einzeln ausgeschrieben werden.
(Stadionwelt, 17.09.2024)
- Firmenhomepage: heiler GmbH & Co. KG

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