„Deutschland fit durch Olympia machen“
Im Interview spricht Stephan Brause, Leiter Ressort Olympiabewerbung beim DOSB, über die Chancen einer deutschen Ausrichtung Olympischer und Paralympischer Spiele für den Breitensport.

Brause: Olympische und Paralympische Spiele haben die besondere Kraft, für viele wichtige Prozesse, die wir in den unterschiedlichsten Bereichen ohnehin angehen müssen, ein positiv besetztes Zieldatum zu setzen. Wenn wir wissen, dass wir 2036, 2040 oder 2044 Gastgeber des größten Multi-Sportevents sind, das weltweit über fünf Milliarden Menschen verfolgen und das viele Millionen Besucher in das Land zieht, kann dies bereits in den Jahren zuvor als Beschleuniger in vielen Bereichen wirken. Deshalb lautet unser Ziel auch, Deutschland fit durch Olympia zu machen.
Das gilt insbesondere auch für den Sport, der sich an der Spitze und in der Breite gleichermaßen mit großen Herausforderungen konfrontiert sieht – beispielsweise marode Infrastruktur, zu wenige Ehrenamtliche, zunehmender Bewegungsmangel. Auch hier kann die Bewerbung als Katalysator dienen. Und tut dies bereits. Der laufende Bewerbungsprozess hat den Sport wieder stärker in den Mittelpunkt des politischen Interesses gebracht. Dorthin also, wo er aus unserer Sicht als einer der stärksten gesellschaftlichen Motoren auch gehört. In Nordrhein-Westfalen wurde ein umfangreiches Sanierungsprogramm für Sportstätten ins Leben gerufen, in Hamburg knapp 100 Breitensportprojekte in der ganzen Stadt umgesetzt. Und in Bayern gibt es ein Sportgesetz, das beispielsweise Bewegung in der Schule gesetzlich verankert.
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Sportplatzwelt: Wie kann sichergestellt werden, das mögliche positive Effekte nicht nur kurz fristig wirken, sondern auch nach den Spielen nachhaltig bestehen bleiben?
Brause: Für den DOSB steht diese Frage von Beginn an im Mittelpunkt der Überlegungen. Warum wollen wir die Spiele und wie schaffen wir einen langfristigen Mehrwert? Es geht uns im aktuellen Prozess ausdrücklich nicht nur um wenige Wochen Sportfest, sondern um die Wirkung weit darüber hinaus, um eine Legacy in Infrastruktur, im Sport und in der Gesellschaft. Wir sprechen von 60 Tagen Wettbewerb und 60 Jahren Legacy.
Wir wollen mit konkreten Programmen vor, während und nach den Spielen die entstehende Begeisterung in dauerhafte Strukturen überführen, von niedrigschwelligen Bewegungsangeboten bis hin zur gezielten Stärkung der Vereine. Alles einhergehend mit den DOSB-Zielen 2035. Ein Blick auf die Spiele von München 1972 zeigt, welches Potenzial darin liegt: Programme wie die „Trimm dich-Bewegung“ wurden zum gesellschaftlichen Massenphänomen und haben den Breitensport in Deutschland über viele Jahre maßgeblich gestärkt. Warum also sollte uns so etwas nicht wieder gelingen? […]
(Sportplatzwelt, 10.07.2026)



