„Normen können nicht alle Aspekte einer guten Planung abdecken“

Sven Schröder, Direktor Events beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), spricht im Interview über Standards für Leichtathletik-Anlagen und die Voraussetzungen für deren einwandfreien Zustand und sicheren Betrieb.

Sven Schröder
Sven Schröder Bild: DLV
Sportplatzwelt: Wie kommen die Kommunen und Vereine mit dem Unterhalt ihrer Anlagen für die Leichtathletik zurecht?
Schröder: Die Geldmittel werden generell immer knapper, zudem steigen die Unterhaltskosten, die in vielen Fällen bei der Erbauung von Sportanlagen zunächst nicht bedacht werden. In vielen Fällen denke ich mir, wäre es besser, wenn kleinere Vereine auch kleinere Anlagen betreiben, die sie auch bewirtschaften können. Aber man hat schon in Teilen dazu gelernt.

Wichtig ist, dass der jeweilige Verein oder die Kommune den Kontakt zu einer kompetenten Beratung sucht und sich darauf fokussiert, das Machbare zu realisieren. Eine neue Laufbahn oder eine gründliche Instandsetzung durchzuführen, das können Vereine aus eigener Kraft nicht leisten, sodass fast immer die Gemeinde gefordert ist. Über diese Dinge muss man sich im Klaren sein.

Sportplatzwelt: Wie geht die Fachkommission des DLV vor?
Schröder: Die AG Wettkampfanlagen und Geräte ist Bestandteil der Kommission Kampfrichterwesen. Arbeitsprojekte der AG sind die Weiterentwicklung im Bereich der Zeit- und Weitenmessung, der Gerätekontrolle aber auch der Stadionzertifizierung.

Speziell die Stadionzertifizierung wird in den kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Grund hierfür ist die Vorgabe von World Athletics, dass Label-Wettkämpfe perspektivisch nur noch zugelassen und die Leistungen von World Athletics akzeptiert werden, wenn das Stadion, bzw. die Halle, ein offizielles internationales WA-Zertifikat besitzt. Eines der Hauptkriterien dabei ist, dass die Laufbahn einen WA-zertifizierten Belag besitzt und nicht älter als 10 Jahre ist. Sollte die Bahn älter sein, bedarf es einer Erneuerung des Belags und einer neuen Zertifizierung. Weiterhin müssen natürlich Maße, Markierungen und Sicherheitsstandards den offiziellen Regularien entsprechen.

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- Leichtathletikanlagen: Planungsgrundlagen
- Leichtathletik: Sportgeräte & Co.
- Kleinspielfelder und regeloffene Anlagen
- Kunststoffböden: Reinigung und Pflege

Sportplatzwelt: Welche Erfahrungen machen Sie in der Praxis?
Schröder: Die Vereine leben in vielen Bereichen vom Ehrenamt, wodurch manchmal Konflikte entstehen, wenn professionelle Ansprüche an sie herangetragen werden. Andererseits kenne ich viele positive Beispiele, was auf diese Weise alles machbar ist. Der eine Verein hat in Eigenregie eine Hochsprunganlage realisiert, der nächste hat die Dienste der Sportplatzpflege selbst in die Hand genommen. Engagement ist immer notwendig, es ist aber wichtig, dass schon jemand in der Planung eingebunden ist, der sich in der Praxis auskennt.

Eine große Wettkampfanlage benötigt beispielsweise einen beträchtlichen Bestand an mobilen Geräten, und diese erfordern reichlich geeigneten Stauraum – also eine Lagerung, bei der der Zustand der Geräte nicht leidet. Solche vermeidlichen Kleinigkeiten machen am Ende jedoch häufig sehr viel aus. Wo die Leichtathletik aktiv betrieben wird, sind die Anlagen meist auch in Ordnung. Man findet aber auch Investitionsleichen vor.

Man darf nie vergessen, dass die Leichtathletik-Abteilungen Trainer brauchen, dass die Sportler zu Wettkämpfen fahren – all dies wird ja in der Regel nicht angemessen bezahlt, sondern mit viel persönlichem Engagement ehrenamtlich erledigt. Genau dies braucht man eben aber auch, um die Anlagen in Schuss zu halten.

Sportplatzwelt: Welche Mängel sind typisch?
Schröder: Typische Fehler zeigen sich in nahezu allen Bereichen einer Sportanlage, sei es beim Weitsprung der verwendete Sand, die Abdeckung einer Hochsprungmatte oder auch die trockene Lagerung von Sportgeräten.

Nehmen wir das Thema Weitsprung. Es muss beispielsweise der Sand in gewissen Abständen ausgetauscht werden, auch braucht es eine Plane zum Abdecken oder vielleicht auch einen Graben mit Auffanggitter für den Sand. Mischt sich Laub in den Sand und wird dieser auf die Laufbahn oder den Kunststoffrasen getragen, gehört dies zu möglichen Problemquellen, die man unbedingt unterbinden sollte. Wird außerdem der falsche Sand verwendet, kann dieser scharfkantig sein oder bei großer Nässe fest werden und zum Verletzungsrisiko werden oder bei trockenen, windigen Verhältnissen einfach weggeweht werden.

Auch die Hochsprungmatte ist so ein Thema. Früher wurde einfach die Plane über die Matte gezogen, heute benötigen viele Standorte eine stabile absperrbare Konstruktion, weil die Anlage sonst dem Vandalismus preisgegeben ist. Es gibt darüber hinaus noch zahlreiche weitere Themen, die in der Pflege und dem Erhalt von Leichtathletik-Anlagen relevant sind. Häufig ist auch das Thema der Regeländerungen ein nicht zu unterschätzendes Thema. World Athletics aktualisiert mittlerweile mehrmals im Jahr die Regelwerke, weshalb man immer häufiger auf Anlagen trifft, die nicht mehr dem aktuellen Regelwerk entsprechen. National versuchen wir daher so gut und so früh wie möglich, solche Informationen zu streuen, um eine möglichst lange Vorlaufzeit zur Anpassung zu ermöglichen.

Sportplatzwelt: Sind die Planungsrichtlinien noch zeitgemäß?
Schröder: Ja, aber nur bedingt. Die Planung erfolgt oftmals rein nach den Norm-Vorgaben der A-, B- und C-Anlagen ohne Hintergrundwissen der Sportarten mit ihren Besonderheiten. Hierbei ist in den Kommunen die Auslegung manchmal sehr rigide, weil Zuschüsse nur zu erwarten sind, wenn 1:1 nach den Vorlagen des Bundesinstitutes für Sportwissenschaft BISp. gebaut wird. Wenn sich beispielsweise der Kugelstoßring in der Nähe des Zieleinlaufes befindet, ist dies aber sehr gefährlich.

Ein Diskuswurf-Käfig in der Nähe des 100m-Starts ist nicht besser. In diesen Zonen fokussiert sich nicht nur das Wettkampfgeschehen der Sportler. Hier sind insgesamt die meisten Personen, auch Kampfrichter und bei großen Veranstaltungen Kameras, anwesend. Eigentlich sollte man solche unübersichtlichen Zusammenballungen von Personen in Aktion mit kreuzenden Laufwegen und Wurfgeräten vermeiden.

Sportplatzwelt: Bieten die DIN-Vorgaben eine Unterstützung?
Schröder: Bei den mobilen Geräten muss die Gemeinde ausschreiben oder der Verein bestellen. Das ist gar nicht so einfach. Die vorgefertigten Ausschreibungstexte sind oft hauptsächlich nach dem Gusto der Hersteller verfasst, oder man bestellt im Internet die vermeintlich günstigste Anlage.

So kann es vorkommen, dass eine Anlage zwar mit den besten Absichten gekauft wird, bei einer offiziellen Veranstaltung der Wettkampfleiter vor Ort aber trotzdem einige Dinge zu monieren hat. Die DIN soll eine Hilfe für Ausschreibungen sein, alle relevanten Punkte adäquat zu berücksichtigen.

Sportplatzwelt: Welche weiteren Zielsetzungen stehen hinter dieser Arbeit?
Schröder: Nach DIN zu bestellen soll sicherstellen, dass alle relevanten Punkte bezüglich Regelkonformität, Sicherheit, Materialbeschaffenheit sowie Unfall-und Verletzungsrisiken auf ein Minimum reduziert werden. Ein drastisches Beispiel aus dem Stabhochsprung: Wenn hier nur eine 5 m breite Matte liegt, wird das für Leute, die über 5 m springen, zum ernsthaften Risiko. Laut DIN ist eine solche Matte auch nur bei begrenzter Höhe erlaubt. Das ist aber offenbar nicht überall bekannt oder wird nicht beherzigt.

Top-Athleten brauchen eine 6m breite Matte. Das ist keine Theorie, sondern beruht auf Erfahrungswerten. Es gab leider schon genug Unfälle, um diese Dinge sehr ernst nehmen zu müssen. Ein weiteres Beispiel ist der Absprungbalken für den Weit- und Dreisprung: Der Übergang zur Laufbahn darf keine Kante bilden, sonst kann dem Sportler eine Verletzung drohen.

Bei den Wurfdisziplinen sind die Schutzkäfige zu nennen. Sie müssen hoch genug und so ausgerichtet sein, dass kein Gerät auf die Bahn geschweige denn die Tribüne fliegen kann. Das wurde schon verbessert; früher waren die Käfige nicht so sicher wie heute. Aber man trifft in vielen Bereich immer noch Produkte an, die ein größeres Sicherheitsrisiko darstellen. Vorfälle mit diesen Hintergründen sind, wohlgemerkt, keineswegs die Regel. Aber wir wollen jedes Verletzungsrisiko, das auf Leichtathletik-Anlagen entstehen kann, möglichst von vorneherein minimieren bzw. idealerweise ausschließen. (Sportplatzwelt, 05.06.2026)

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