Eishallen in Gefahr: Veraltete Technik und hohe Kosten
Eishallen verschieben den Saisonstart oder schließen dauerhaft. Die Probleme sind vielfältig: Austretendes Ammoniak, defekte Betonpisten und veraltete Kälteanlagen. Diese Mängel treten besonders oft nach der Sommerpause auf, wenn die Anlagen wieder in Betrieb genommen werden.
Für viele Betreiber geht es längst nicht mehr nur um Einnahmeverluste durch einen verspäteten Saisonstart. Der Verlust einer gesamten Eislaufsaison oder das endgültige Aus von Institutionen, die seit Jahrzehnten den regionalen Sport prägen, droht. Besonders in Städten mit langer Eissporttradition, wo Schulen, Vereine und Freizeitläufer auf die Hallen angewiesen sind, wäre das ein harter Schlag. Bereits einige Traditionsstandorte in Deutschland mussten für immer schließen. Mehr als 200 Eishallen mit einem Durchschnittsalter von knapp 50 Jahren gibt es im Land.
Der Betrieb dieser Hallen wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit: Alternde Technik, hohe Instandhaltungskosten und der dringende Bedarf an Modernisierungen setzen Betreiber und Kommunen unter Druck. Für viele Verantwortliche ist der Erhalt der Hallen zur täglichen Herausforderung geworden – oft ohne Erfolg.
Alte Technik, hohe Risiken: Ammoniakanlagen als Sicherheitsgefahr
Besonders problematisch sind alte Betonpisten und Ammoniakanlagen, die in vielen Hallen die Kälte erzeugen. Ammoniak ist ein gefährliches Gas, das bei Lecks die Schleimhäute reizt und in hohen Konzentrationen tödlich sein kann. Zahlreiche Städte wie Schwenningen, Memmingen, Iserlohn, Rosenheim, Krefeld, Bad Kissingen, Straubing, Bad Tölz, Ludwigshafen, Stuttgart, Reutlingen und andere waren schon betroffen. Notfälle, die Hunderte Einsatzkräfte und Evakuierungen erfordern, sind dabei keine Seltenheit. Die Tragödien von Fernie und Kamloops in Kanada, bei denen durch Ammoniak lecks mehrere Menschen starben, verdeutlichen die Gefahr. Veraltete Kühlsysteme spielten in beiden Fällen eine tragische Rolle.
Sanierungsbedarf und die Suche nach Lösungen
Für viele Eissportbegeisterte stehen die vertrauten Eishallen auf der Kippe. Doch das Problem liegt nicht nur in den Risiken veralteter Technik. Zahlreiche Kommunen fragen sich, ob sie sich den Betrieb einer Eishalle noch leisten können oder wollen. Oft mangelt es an genauen Informationen über die tatsächlichen Sanierungskosten, was zu falschen Annahmen über den Aufwand führt, der nötig ist, um eine Halle auf den neuesten Stand zu bringen. Während die Modernisierung einer Ammoniakanlage schnell mehrere Millionen Euro kostet, gibt es weit günstigere und sicherere Alternativen. Oft versuchen Planer und Unternehmen teure Sanierungslösungen den guten und günstigen Alternativen vorzuziehen. Dieser Umstand kommt manchen Kommunen, die sich der Eishalle schon länger entledigen wollen, durchaus Recht. Ein Teufelskreis, der schon mehrfach zum Aus etablierter Eissportstandorte geführt hat.
Der wichtigste Unterschied bei den Kosten liegt in den verschiedenen Kühlsystemen und der Eisbahnverrohrung. Bei der direkten Kühlung, die in vielen älteren Eishallen genutzt wird, zirkuliert Ammoniak als Kältemittel direkt unter der Eisfläche in einer Betonpiste. Diese Methode birgt hohe Risiken und Kosten bei Anschaffung und Wartung.
Indirekte Kühlung als Rettung: Nachhaltige und sichere Technologien im Einsatz
Die indirekte Kühlung hingegen arbeitet mit einem sekundären Kühlmedium (Sole oder Glykol). Das Kältemittel zirkuliert nicht unter der Eisfläche, sondern in einem separaten Kreislauf, der das sekundäre Medium kühlt.
Dieses fließt dann durch die Rohre in der Eisfläche. Dadurch wird das Risiko von Lecks deutlich reduziert, da die sekundären Kühlmedien nicht gefährlich sind. Zudem erlaubt das System eine größere Flexibilität bei der Wahl des Kältemittels. Umweltfreundliche Alternativen wie R290 (Propan) oder HFO (Hydrofluorolefine) Kältemittel wie R1234ze, oft auch als „Kältemittel der 4. Generation“ bezeichnet, bieten hier zukunftssichere Lösungen mit geringem Treibhauspotenzial, bei dem der GWP-Wert auf Niveau des Ammoniaks ist. Alternativ ist per Wärmetauscher aber auch der Einsatz eines CO2 - oder NH -Kaltwassersatzes möglich.
Best-in-class: ICEGRID®
Trotz der klaren Vorteile halten sich sowohl bei selbsternannten Experten als auch in einigen Eishallen hartnäckig Vorurteile gegenüber indirekten Kühlsystemen. Skepsis herrscht vor allem deshalb, weil viele Fachleute ausschließlich die Betonpiste kennen, die jahrzehntelang als Standard galt. Doch moderne und hocheffiziente Lösungen wie das patentierte ICEGRID®-System widerlegen diese Bedenken.
ICEGRID® nutzt spezielle Wellrohre mit einer dreifach höheren Oberfläche als herkömmliche glatte Rohre. Diese Konstruktion und die vollständige Umhüllung der Rohre mit Eis ermöglichen eine optimale Energieübertragung und senken die Verdampfertemperaturen, was zu einer höheren Energieeffizienz führt. Die Eisqualität des Systems ist exzellent und hat sich bereits bei internationalen Wettkämpfen bewährt.
ICEGRID® war nicht nur in zahlreichen Installationen weltweit, einschließlich Nordamerika, im Einsatz, sondern auch bei Olympischen Winterspielen sowie Eishockey- und Curling Weltmeisterschaften. Ein zusätzlicher Vorteil gegenüber herkömmlichen Betonpisten ist die Möglichkeit, während eines Spiels die Eisbedingungen anzupassen – ein entscheidender Faktor in großen Arenen, in denen Tausende von Zuschauern die Temperatur und Luftfeuchtigkeit beeinflussen. Während Betonpisten aufgrund ihrer Trägheit nur schwer auf solche Veränderungen reagieren, spielt das ICEGRID®-System hier seine Stärken aus.
Maximale Flexibilität
Neben seiner Effizienz punktet das ICEGRID®-System auch durch seine Flexibilität. Da es nicht mit Sand oder Beton verfüllt ist, kann es bei Bedarf abgebaut und an einem anderen Standort wieder aufgebaut werden.
Diese Mobilität bietet vor allem Kommunen, die ihre Eishallen schrittweise modernisieren möchten, eine kosten günstige und nachhaltige Lösung. Ein erfolgreiches Beispiel hierfür ist der DEL-Standort der Schwenninger Wild Wings: In der Helios Arena in Villingen Schwenningen wurde die ICEGRID®-Trainingsfläche während einer Gebäudesanierung nach der Saison vorübergehend abgebaut und rechtzeitig zum Saisonstart wieder installiert. Zum Tragen kommen die Qualitäten des ICEGRID® Systems auch, wenn es um die Verkleinerung von 30m auf 26m Breite auf bestehender Piste während der Sommerpause geht.
Aktuelles Beispiel für erfolgreiche Sanierung: Rheinlandhalle Krefeld
Auch in der Rheinlandhalle in Krefeld kam ICEGRID® erfolgreich zum Einsatz. Während der Sommerpause 2024 wurde die neue Bahnverrohrung direkt auf die bestehende Betonpiste aufgebracht. Dies spart die sonst notwendigen teuren Abrissarbeiten. Eisaufbau erfolgte problemlos und rechtzeitig zum Saisonstart bei bis zu 35°C.
ICEGRID® gibt es in zwei Varianten
Mit dem „Classic“ (Kunststoffverrohrung) und „Plus+“ (Edelstahlverrohrung) findet jeder Kunde die passende Ausführung. Beide Versionen bieten eine exzellente Energieeffizienz, wobei die Edelstahlrohre des „Plus+“-Systems eine längere Lebensdauer und noch höhere Effizienz garantieren. Die Eisqualität bleibt bei beiden Varianten auf höchstem Niveau und erfüllt selbst internationale Wettkampfstandards.
Die Zukunft der Eishallen in Deutschland hängt maßgeblich davon ab, wie schnell Betreiber und Kommunen in moderne und sichere Technologien investieren. Systeme wie ICEGRID® zeigen, dass nachhaltige und wirtschaftliche Lösungen möglich sind, die sowohl den hohen Sicherheitsanforderungen gerecht werden als auch eine verbesserte Energieeffizienz und Eisqualität bieten. Doch die Zeit drängt. Ohne rechtzeitige Investitionen könnten viele der alternden Eishallen bald endgültig Geschichte sein. (Stadionwelt, 19.09.2024)
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