„Olympia kann ein Katalysator sein“
Vor ihrem Auftritt bei Sportplatzwelt LIVE 2026 spricht Beachvolleyballerin und Olympionikin Karla Borger im Interview über das Olympia-Konzept KölnRheinRuhr und die Bedeutung Olympischer Spiele für den Breitensport.
Karla Borger bei Sportplatzwelt LIVE 2026

Talk: Olympia-Erbe für Deutschland – Chancen für den Breitensport und Infrastruktur
23. Juni 2026 | 9:30 Uhr | BASE.Köln
Olympische Spiele bewegen nicht nur Spitzenathleten, sondern auch den Breitensport. Im Talk geht es darum, wie eine Olympia-Bewerbung neue Dynamik in Vereinslandschaften, Sportstätten und städtische Infrastruktur bringen kann. Anhand des Beispiels KölnRheinRuhr wird diskutiert, welche Chancen sich für Vereine, Ehrenamt und Kommunen ergeben – von vielseitigen Freizeitanlagen bis hin zu modernen, multifunktionalen Sportparks – und wie aus einem positiven Bürgerentscheid ein langfristiges Olympia-Erbe entstehen kann.
Karla Borger, Projektteam Olympia KölnRheinRuhr & zweifache Olympia-Teilnehmerin (Beachvolleyball)
Sven Stolz, Leiter des Sportamts der Stadt Köln
Das vollständige Programm von Sportplatzwelt LIVE 2026 finden Sie hier: https://www.sportplatzwelt-live.de/#programm
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Borger: Rio 2016 waren meine ersten Olympischen Spiele. Dieser Moment, wenn du ins Stadion einläufst und die Tribünen voll sind, das vergisst du nie. Diese Energie, diese Lautstärke. Dafür trainierst du dein ganzes Leben.
Tokio hat mir dann gezeigt, was das wirklich bedeutet. Leere Ränge, keine Zuschauer, Pandemie. Du kämpfst vor dich hin und es ist still. Erst da habe ich so richtig begriffen, was ich in Rio erleben durfte, diese große Bühne für meine Gänsehautmomente.
Beim Beachvolleyball können bis zu ca.12.000 Menschen dabei sein und stell dir vor, das ist vor eigenem Publikum, mit Familie und Freunden auf der Tribüne. Insgesamt werden bei KölnRheinRuhr 14 Millionen Tickets vergeben. 14 Millionen Momente, in denen deutsche Athletinnen und Athleten vor heimischem Publikum performen können, Hunderte von ihnen, in den unterschiedlichsten Sportarten.
Das sollte jede Athletin, jeder Athlet einmal erleben dürfen. KölnRheinRuhr hat das Potenzial, genau das zu liefern.
„NRW macht einiges richtig.“
Sportplatzwelt: Als damalige Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland hast Du im letzten Jahr betont, dass Olympische Spiele allein den Sport in Deutschland nicht automatisch besser machen. Wo siehst Du aktuell die größten Baustellen – und wie kann eine Bewerbung wie KölnRheinRuhr dabei helfen, wichtige Veränderungen im Leistungs- und Breitensport anzuschieben?
Borger: Ein großes Fest, Bilder in den Nachrichten und danach ist alles wie vorher. Das wäre verschenkt. Die echten Fragen sind: Wie fördern wir Athletinnen und Athleten nicht nur auf dem Weg zu Medaillen, sondern als Menschen? Wie sieht Unterstützung aus, die wirklich trägt?
NRW macht da einiges richtig. Über 80 Millionen Euro in 25 Jahren Nachwuchsförderung, 691 geförderte Athleten aus 95 Sportarten, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis ohne Quotenvorgabe. Das ist eine sehr gute Basis.
Eine Bewerbung wie KölnRheinRuhr kann helfen, genau diese Themen sichtbarer zu machen. Nicht weil Olympia automatisch alles besser macht, sondern weil so ein Moment die Chance bietet, gemeinsam drüber nachzudenken, was wir wirklich wollen für den Sport in Deutschland.
Sportplatzwelt: Wenn wir auf die Sportstättenlandschaft in Deutschland schauen: Was wäre für Dich ein wirklich sinnvolles ‚Olympia-Erbe‘ – eher große Leuchtturmarenen oder viele kleinere, gut nutzbare Anlagen und Bewegungsräume, von denen Vereine und Kommunen im Alltag profitieren?
Borger: Leuchttürme sehen gut aus auf Postkarten. Aber ich erlebe in Deutschland Sportvereine, die kämpfen, weil die Turnhalle marode ist oder das Hallenbad geschlossen wurde. Das ist die Realität in vielen Vereinen.
Was mich bei KölnRheinRuhr wirklich überzeugt: 100 Prozent bestehende oder temporäre Sportstätten, nichts wird auf der grünen Wiese neu gebaut. Das Olympische Dorf wird nach den Spielen ein neues Stadtquartier. Das ist genau das Erbe, das ich meine: Infrastruktur, die danach von Menschen genutzt wird.
Dazu kommt das Milliarden-Investitionsprogramm des Landes für Sportstätten, Schwimmbäder und Neubau. Das wächst schon jetzt. Olympia kann da ein echter Katalysator sein.
„Zustimmung heute ist keine Garantie für Zustimmung in zwanzig Jahren.“
Sportplatzwelt: In KölnRheinRuhr gibt es eine breite Zustimmung zur Bewerbung. Was braucht es aus Deiner Sicht, damit diese Unterstützung auch in zehn oder zwanzig Jahren noch da ist – und die Menschen sagen: Olympia hat unserer Region und unserem Sport wirklich gutgetan?
Borger: Die Zustimmung heute ist keine Garantie für Zustimmung in zwanzig Jahren. Was hält, ist das Gefühl, wirklich gefragt worden zu sein. Und KölnRheinRuhr hat da etwas Historisches gemacht: 66 Prozent haben beim Bürgerentscheid für die Spiele gestimmt, bei über 1,4 Millionen abgegebenen Stimmen. Das ist das erste Mal in der olympischen Geschichte, dass so viele Menschen direkt befragt wurden.
Aber diese Zustimmung muss auch eingelöst werden. Wenn in zehn Jahren die Menschen sagen sollen, Olympia hat unserer Region etwas gebracht, dann muss das spürbar sein. Mehr Kinder im Vereinssport. Bessere Sportstätten in der Fläche. Athletinnen und Athleten, die sich gehört fühlen.
NRW hat mit über 5,5 Millionen Menschen in mehr als 17.000 Vereinen die breiteste Sportbasis Deutschlands. Das ist ein unglaubliches Fundament. Und genau das macht mich zuversichtlich, dass KölnRheinRuhr das wirklich einlösen kann. (Sportplatzwelt, 29.05.2026)




