Es muss nicht immer ein Massivbau sein

Im Sinne der ökologischen wie auch ökonomischen Nachhaltigkeit sollten Sporthallenprojekte nicht überdimensioniert sein. Für einige Sportarten und Nutzungskonzepte stellen Leichtbauhallen oder modulare Systeme eine hervorragende zum klassischen Massivbau dar – temporär als auch längerfristig.

Die meisten Menschen haben beim Wort „Sporthalle“ schnell ein klares Bild vor Augen und denken an die klassische Mehrzwecksporthalle aus Stahl und Beton. Für viele Sportarten und Nutzungsszenarien ist dieser Bautyp aber nicht unbedingt die beste Variante – nicht nur hinsichtlich der ökologischen Nachhaltigkeit, sondern vor allem auch hinsichtlich des Kosten-Nutzen- Faktors. Schnell und vor allem kostengünstig zu errichtende Lösungen aus dem Leichtbau oder Textilbau können überall dort, wo die Ansprüche einer Sportart bzw. eines Nutzungskonzeptes bereits mit einfachen Lösungen bedient werden können, eine echte Alternative zum Massivbau darstellen.

Denn nicht nur verschlingt der Massivbau bedeutend mehr finanzielle Mittel – oft übersteigen bereits die Planungskosten die Anschaffungskosten von Leichtbausystemen und vergleichbaren Alternativen – auch der Ressourcenverbrauch beim Bau und Betrieb schlägt in massiv gebauten Sporthallen deutlich stärker zu Buche. Sporthallen ohne großangelegtes Multifunktionskonzept können zudem von den modularen Bauweisen einiger Hersteller profitieren, die einen Neubau „nach Schema F“ binnen kürzester Zeit ermöglichen – in aller Regel allerdings mit einer etwas spartanischeren Ausstattung als es bei der klassischen Sporthalle in Massivbauweise der Fall ist.

Leichbauhallen: Temporär, semitemporär oder dauerhaft?

Der wesentliche Vorteil einer Sporthalle auf Leichtbau-Basis liegt zweifelsohne darin, dass sich durch den Bau einer solchen Halle schnell und vergleichsweise kostengünstig eine temporäre Infrastruktur schaffen lässt, um fehlende Hallenkapazitäten zu kompensieren – beispielsweise als Interimsbau, wenn die bestehende Sporthalle aufgrund einer größer angelegten Sanierungsmaßnahme über einen längeren Zeitraum hinweg geschlossen bleiben muss.

Entgegen der landläufigen Meinung, eine Leichtbaukonstruktion diene in erster Linie dem Zweck, schnellstmöglich eine Übergangslösung für mangelnde Hallenkapazitäten zu schaffen, können solche Leichtbauhallen – eine fachmännische und korrekte Montage vorausgesetzt – auch ohne Weiteres über eine Zeitspanne von mehreren Jahren ihrer Aufgabe nachkommen. Je länger dieser Nutzungszeitraum, desto nachhaltiger gestaltet sich selbstverständlich das Projekt – sowohl aus wirtschaftlicher wie auch aus ökologischer Sicht. Und sollten die Hallen selbst nicht ohnehin aus recyclierten oder recyclierbaren Materialien gefertigt sein, gibt es für viele temporär bzw. semi-temporär installierten Hallenkonstruktionen einen vergleichsweise großen Gebrauchtmarkt, wodurch das Projekt nach Ende seiner Nutzungszeit im seltensten Fall „für die Tonne ist“.

Hinzu kommen dauerhafte Installationen wie beispielsweise Freilufthallen, die zwar hinsichtlich ihres Nutzungskonzepts eher dem Freizeitsport, Individualsport und Training zuzuordnen sind denn dem Wettkampfbetrieb, aber vor allem hinsichtlich ihres äußerst energiesparenden Betriebs (unter gewissen Voraussetzungen kann sogar mehr Energie erzeugt als verbraucht werden) eine nachhaltige Alternative für den Freizeitsport und Trainingsbetrieb darstellen können.

Vorteile gegenüber dem Massivbau 

Unabhängig vom Zeitraum der späteren Nutzung bestechen Leichtbau-, Modulbausysteme, Freilufthallen und andere „abgespeckte“ Varianten durch eine vergleichsweise kostengünstige Anschaffung. Ein weiterer wesentlicher Vorteil liegt in der einfachen Konstruktionsweise solcher speziell auf den Sport zugeschnittenen Alternativen, die nicht nur den eigentlichen Bauprozess sondern vor allem auch Genehmigungsverfahren deutlich beschleunigen.

Sollte die neue Sporthalle zudem ohne klassisches Fundament auskommen – beispielsweise bei Leichtbauvarianten aus dem Zeltbau – können sie unter Umständen sogar als „Fliegende Bauten“ deklariert werden, was den Genehmigungsprozess noch einmal erheblich vereinfacht: Denn Fliegende Bauten bedürfen dem Gesetzgeber zufolge keiner Baugenehmigung; lediglich eine Ausführungsgenehmigung in Form eines sogenannten Prüfbuchs, das in der Regel jedem Standardpaket beiliegt, ist hier erforderlich. Eine Baugenehmigung kann im Notfall auch nachträglich eingeholt werden. Doch Vorsicht: Nur, weil eine Leichtbauhalle kein Fundament benötigt, heißt das nicht, dass hier keinerlei Arbeiten am Boden erforderlich sind.

So muss die Halle je nach gewähltem System fest im Boden verankert werden (z. B. mit Erdnägeln) sowie der Boden für die Konstruktion vorbereitet werden. Dies beinhaltet beispielsweise eine ebene Deckschicht, Tragschicht und Frostschutzschicht, die der Hallenkonstruktion zugrunde liegen sollte – insofern nicht nur ein bereits bestehendes Spielfeld oder Schwimmbecken überdacht werden soll. Die Entscheidung für oder wider einer Deklarierung als Fliegender Bau hängt dabei ebenfalls vom geplanten Nutzungskonzept und vor allem der Nutzungsdauer ab: Als Fliegende Bauten deklarierte Systeme können zwar innerhalb weniger Tage nach der ersten Anfrage beim Hersteller errichtet werden, in der Regel sind die Standzeiten Fliegender Bauten allerdings auf drei Monate begrenzt, eine Verlängerung um weitere drei Monate ist in aller Regel aber möglich. Sollte die Halle auch längerfristig genutzt werden können – beispielsweise während eines mehrjährigen Bau- oder Sanierungsprojekts oder als zusätzliche Trainingshalle –, ist eine Baugenehmigung unabdingbar.

Allerdings gilt auch hier: In den individualisierbaren Komplettpaketen und schlüsselfertigen Standardkonfigurationen vieler Hersteller sind Statiknachweise, Planungsleistungen sowie Wind- und Schneelastberechnungen oft schon im Gesamtpaket inkludiert. Erfahrene Hersteller wissen zudem um die Vorgaben der lokalen Genehmigungsbehörden und unterstützen Kunden in der Folge im Genehmigungsprozess. Ist die Baugenehmigung einmal erteilt und nach DIN EN 1991 als fester Bau klassifiziert, kann die Leichtbauhalle in der Theorie über einen unbegrenzten Zeitraum hinweg ihrem Verwendungszweck nachkommen.

Konstruktionsweisen und Material Der Markt hält verschiedene Alternativen zum Massivbau parat. Zum Einsatz kommen dabei meist Materialien aus dem Industriehallenbau, dem Holz- oder dem Textilbau. Die klassische Leichtbauhalle, die unter den genannten Umständen sogar als Fliegender Bau deklariert werden kann, stellt dabei die wohl einfachste und am schnellsten zu realisierende Variante dar: Über ein Gerüst aus Metall oder Holz wird eine Textilplane gespannt. Solche schwer entflammbaren Textilmembranen erfüllen nicht nur alle Anforderungen an den modernen Brandschutz, dank möglicher Lichtdurchlässigkeit kann die Halle tagsüber unter Umständen auch ohne zusätzliche Beleuchtung genutzt werden. Die Seitenwände bestehen entweder aus derselben Textilmembran oder werden – ähnlich dem folgenden Sporthallentyp – aus modularen Paneelen zusammengesteckt.

Vor allem in nur temporär verwendeten Leichtbau-Systemen kommen dann in aller Regel auch spezielle mobile Sportböden zum Einsatz, die sich ähnlich wie die Halle selbst schell auf- und wieder abbauen lassen. Die gute Nachricht für Bauherren: Fast alle am Markt verfügbaren Sportbodensysteme fü Sporthallen sind in der Regel auch als mobile Variante erhältlich. Auch hier gibt es mitunter Miet-Optionen, wenn von vornherein klar ist, dass die Halle nur temporär genutzt werden soll. Ein mobiler bzw. temporärer Sportboden wird meist in Schichten aus mehreren Rollen angelegt: Einer Schutzschicht für den unterliegenden Boden folgen mehrere dämpfende Schichten, die im wesentlichen für die Elastizität und Stabilität des mobilen Sportbodens verantwortlich zeichnen, gefolgt vom eigentlichen Bodenbelag. Einige Hersteller haben sich indes bereits auf besonders schnell zu installierende Lösungen spezialisiert, bei denen die verschiedenen Schichten als vorgefertigte und zusammensteckbare Platten geliefert weden. Dank solcher vorgefertigten Systeme sinkt die Installationsdauer z.B. eines Basketballspielfelds auf ca. drei Stunden.

Lösungen aus dem Baukasten

Zuvor erwähnte modulare Paneele sind auch der Hauptbestandteil der zweiten gängigen Alternative zum Massivbau: Modulare Sporthallen. Zwar handelt es sich hier der Definition nach selten um tatsächliche Leichtbauhallen, da für das Aufstellen der einzelnen Paneele in der Regel ein Betonfundament benötigt wird. Dennoch stellt auch dieser Hallentyp eine echte Alternative zum Massivbau dar, denn die Standardkonfigurationen und Modulbauteile aus den Katalogen der Hersteller vereinfachen und beschleunigen nicht nur die Vorplanung und Bauzeit, sondern vor allem auch den Genehmigungsprozess.

Ob nur für die temporäre Nutzung oder als dauerhafte Installation: Sporthallen in Modulbauweise können dabei helfen, Kapazitätsprobleme in der kommunalen Sportstättenlandschaft dank vorgefertigter Modulbauteile und beschleunigter Genehmigungsprozesse schnell, flexibel und vor allem deutlich kostengünstiger zu lösen, als es mit klassischen Massivsporthallen aus Stahl und Beton der Fall wäre.

Die so entstehenden Sporthallen können vom Bauherrn theoretisch beliebig skaliert und erweitert werden – etwa durch Umkleide- und Sanitärräume, Zuschauertribünen sowie technische Infrastruktur wie Beleuchtung oder raumlufttechnische Anlagen. So wurden in der Vergangenheit nicht nur klassische Sporthallen für den Breitensport, sondern auch große Stadien und Arenen mit Zuschauerkapazitäten im 4- bis 5-stelligen Bereich bereits erfolgreich in modularer Bauweise realisiert. Klar ist allerdings auch, dass sich jede Individualisierung und Erweiterung des Standardpakets sowohl auf die Projektkosten, als auch auf den Planungsaufwand auswirkt.

Nachhaltige Alternative zum Massivbau?

Selbstverständlich kann in Leichtbauhallen oder Freilufthallen nie der Komfort einer massiv gebauten Multifunktionssporthalle geschaffen werden – das ist aber auch gar nicht der Anspruch solcher Konstruktionen.

Für einige Nutzungsszenarien kann durch solche Alternativen aber eine funktionelle Sportinfrastruktur geschaffen werden, die unter gewissen Voraussetzungen nicht nur über einen vergleichsweise langen Zeitraum bis hin zur dauerhaften Lösung genutzt werden kann. Im Stile klassischer Kalthallen verfügen solche Systeme in der Regel nur über eine minimale gebäudetechnische Ausstattung – auf Heizsysteme wird in der Regel vollständig verzichtet. Ob Leichtbaulösung aus dem Zeltbau mit Stahlrahmen und textiler Gebäudehülle, Modulbauhalle mit Fassaden aus Aluminium oder Kunststoffen – die Außenhüllen sind entsprechend dünn und machen eine Beheizung ohne große Wärmeverluste ohnehin nicht möglich. Höchstens kann über entsprechende Belüftungssysteme nachgedacht werden, die die Luftqualität im Inneren der Halle sichern. Entsprechend offen gestaltete oder luftdurchlässige Fassadenelemente machen unter Umständen aber auch diese obsolet. Aufgrund der geringen Dachlasten, die vor allem klassische Leicht- bzw. Zeltbaulösungen aus statischer Sicht tragen können, haben sich vor allem Leichtbaulösungen eher als monostrukturelle Sportstätten etabliert. Beleuchtung und eventuelle Lüftungsanlagen trägt die Dachkonstruktion ohne Probleme, die umfangreiche Sportgeräteausstattung einer Schulsporthalle hingegen nicht. (Sportplatzwelt, 04.12.2025)

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