Sportliche Leistung: Trinkwasserhygiene und Wassersparen im Einklang
Im Gastbeitrag erklärt der Verband Deutscher Anlagen- und Maschinenbau e.V. (VDMA),wie sich Wassereinsparungen mit den strengen Auflagen der Trinkwasserhygiene in Einklang bringen lassen.

Andrea Bußmann, Vorstand VDMA Fachabteilung Gebäudearmaturen und Geschäftsführerin Marketing, Vertrieb und Produktmanagement SCHELL GmbH & Co. KG
Auch an den Sporthallen geht die Energiekrise nicht spurlos vorbei: Kommunen und Betreiber sehen sich weiterhin mit hohen Energiekosten konfrontiert und sind aufgefordert, entsprechende Sparmaßnahmen umzusetzen. Große energetische Einsparpotenziale in Sporthallen ergeben sich unter anderem beim Warmwasserverbrauch. Zugleich stellt sich hier aber eine weitere Herausforderung: Wird die Trinkwasserinstallation aufgrund von Einsparmaßnahmen oder saisonalen Nutzungsschwankungen unzureichend oder nicht genutzt, stagniert das Wasser in den Leitungen und Bakterien können sich in kürzester Zeit auf ein gesundheitsschädliches Maß vermehren. Um das zu verhindern und Trinkwasserhygiene und Wassersparen in Einklang zu bringen, sind neben einer intelligenten Auslegung der Trinkwasserinstallation digitale Wassermanagement-Systeme empfehlenswert, die Betreiber beim Erhalt der Trinkwassergüte unterstützen und dabei besonders energieeffizient und wirtschaftlich arbeiten.
Ob zum Duschen nach dem Training, an den Waschbecken oder zum Spülen von WCs und Urinalen – Trinkwasser wird in jeder Sporthalle benötigt. Bis zum Hausanschluss ist das gelieferte Trinkwasser in der Regel von höchster Güte. Ab Hausanschluss ist der jeweilige Gebäudebetreiber dafür zuständig, dass diese hohe Güte auch die entsprechenden Entnahmestellen erreicht. In Sporthallen, die saisonbedingt längere Zeit stillstehen oder weniger stark frequentiert werden, ist jedoch besondere Vorsicht geboten. Bildet sich aufgrund von Wasserstagnation bei ausbleibender oder eingeschränkter Nutzung eine gefährliche Konzentration von Bakterien, bedeutet das für die Sportler ein ernstzunehmendes gesundheitliches Risiko. Insbesondere Legionellen werden durch zerstäubtes und vernebeltes Wasser (Aerosole) übertragen, das beispielsweise beim Duschen entsteht. Die Bakterien verbreiten sich in der Luft und werden eingeatmet, was eine schwere atypische Lungenentzündung auslösen kann.
Alles im Fluss: Regelmäßiger Wasserwechsel ist Pflicht
Wie in allen anderen (halb-)öffentlichen Gebäuden unterliegen auch Trinkwasserinstallationen in Sportanlagen der Trinkwasserverordnung. Für Betreiber bedeutet das konkret: Sie müssen dafür sorgen, dass im Trinkwasser keine Krankheitserreger „in Konzentrationen enthalten sind, die eine Schädigung der menschlichen Gesundheit besorgen lassen“ (§6 TrinkwV). Wenn die Sportstätten und die dortigen Sanitäranlagen gemäß dem bei der Planung zugrunde gelegten, bestimmungsgemäßen Betrieb genutzt werden, kann eine bedenkliche Konzentration von Legionellen erst gar nicht entstehen.
Da Wasser regelmäßig durch die Leitungen fließt, werden diese ausreichend gespült und ein vollständiger Wasserwechsel über alle Entnahmestellen als wichtigste Voraussetzung für den Erhalt der Wassergüte (vergl. VDI 6023 Blatt 1) findet statt. Doch bereits nach einem Stillstand von mehr als 72 Stunden kann sich die Legionellenkonzentration auf ein schädliches Maß erhöhen. Um den bestimmungsgemäßen Betrieb auch während saisonbedingter Nutzungsschwankungen zu simulieren, sind Betreiber verpflichtet, die Leitungen der Trinkwasserinstallation regelmäßig zu spülen – und zwar über die Entnahmestellen. Von dieser Pflicht befreien keine besondere Art der Leitungsführung oder Spülstationen.
Bedarfsgerechte Dimensionierung von Trinkwasserinstallationen
Die bedarfsgerechte Dimensionierung der Wasserrohre unter Berücksichtigung von Besucherzahlen und Gleichzeitigkeiten gemäß DIN 1988-300 ist für einen hygienischen Betrieb der Trinkwasserinstallation grundlegend. So wird die Trinkwasserinstallation einer Sporthalle in der Regel auf eine gleichzeitige Nutzung vieler Armaturen, wie es z. B. in den Duschen nach dem Training oder Schulsportunterricht der Fall ist, ausgelegt. Dementsprechend hat der Planer im Raumbuch eine genaue Nutzungsbeschreibung für den bestimmungsgemäßen Betrieb hinterlegt.
Dieser bestimmungsgemäße Betrieb der Entnahmestellen gemäß VDI 6023 Blatt 1 verhindert, dass sich Bakterien in der Trinkwasserinstallation kritisch vermehren. Mit dem bestimmungsgemäßen Betrieb ergibt sich eine turbulente Strömung in allen Leitungen, vor allem in den größer dimensionierten Ver-teil- und Steigleitungen, um auch das Wasser in den wandnahen Bereichen des Rohres auszuspülen. Diese Strömung mit einer Fließgeschwindigkeit von mindestens 1 m/s und mehr wird nur durch die gleichzeitige Auslösung mehrerer Entnahmestellen erreicht. Bei niedrigeren Fließgeschwindigkeiten besteht die Gefahr, dass das Wasser in der Randzone des Rohres nicht ausgespült wird und der Wasseraustausch nur im Kern der Leitung stattfindet (Rohr-in-Rohr-Phänomen).
5 Tipps zum Erhalt der Trinkwasserhygiene in Sporthallen
1. Regelmäßiger Wasserwechsel spätestens alle 72 Stunden!
2. Trinkwasserinstallationen wenn möglich klein dimensionieren: Durch den reduzierten Wasserinhalt wird der Wasserwechsel begünstigt und das Legionellenrisiko gesenkt.
3. Elektronische, berührungslose Armaturen an Waschtischen, in Duschen, WCs und Urinalen: Sie sind wassersparend, hygienisch und können mit Wassermanagement-Systemen vernetzt werden.
4. Bei Nichtnutzung der Sporthalle: Simulation des bestimmungsgemäßen Betriebs mittels Stagnationsspülungen.
5. Installation eines Wassermanagement-Systems: Im Vergleich zum manuellen Spülen ökonomischer und energieeffizienter.
Planungstipps für Sporthallen-Neubauten
Damit die Auslegung der Trinkwasserinstallation nicht nur die hygienischen Anforderungen erfüllt, sondern auch möglichst wasser- und energiesparend sowie wirtschaftlich ist, bieten sich sowohl für den Neubau von Sporthallen als auch für bestehende Gebäude diverse Einsparpotenziale sowie Spielräume für Planer und Betreiber. Bei Neubauten empfiehlt es sich, reduzierte Durchflussmengen an den Entnahmestellen einzuplanen.
Wird beispielsweise von Beginn an mit einer 6- statt 9-Liter-Dusche und einer 3- statt 4,2-Liter Waschtisch-Armatur gerechnet, können Einsparungen von bis zu 40 % bei Wasserinhalt und Verbrauch erreicht werden. Mit dem gemeinsamen Einverständnis von Auftraggeber und Fachplaner ist eine solche Abweichung von den normativen Berechnungsdurchflüssen gemäß DIN 1988-300 Tabelle 2 „Wichtige Hinweise“ und damit eine geringer dimensionierte Auslegung der Trinkwasserinstallation ausdrücklich erlaubt.
Weitere Einsparmöglichkeiten lassen sich durch den Einsatz von überwiegend T-Stück-Installationen und lediglich wenigen Reiheninstallationen oder Ring-in-Ring-Installationen nutzen. Durch die somit verringerte Wassermenge wird auch der Wasserwechsel begünstigt und zusätzlich durch deutlich weniger Oberflächen das Legionellenrisiko gesenkt.

Optimierungspotenziale in bestehenden Sporthallen nutzen
Bei Trinkwasserinstallationen in bestehenden Sporthallen kann man unter bestimmten Voraussetzungen an der Stellschraube „Wassertemperatur“ drehen, ohne einen kritischen Legionellenbefall zu riskieren. So laufen viele Warmwasserbereiter ohne Kenntnis der Nutzer mit einer automatisierten wöchentlichen oder gar täglichen thermischen Desinfektion, der sogenannten Legionellenschaltung. Wird die Anlage ansonsten fachgerecht betrieben, kann diese Funktion ohne hygienische Risiken abgeschaltet werden. Bei Großanlagen sollte außerdem geprüft werden, ob die Temperatur am Austritt des Trinkwassererwärmers bei deutlich mehr als 60 °C liegt.
Auch hier besteht oftmals ein hohes Einsparpotenzial, indem der Energieeinsatz gesenkt wird. Zudem ist es ratsam zu prüfen, ob die Literleistung an bestimmten hoch frequentierten Entnahmestellen reduziert werden kann – denn oftmals wurden Armaturen mit höheren Durchflussmengen installiert, als bei der normgerechten Planung berücksichtigt wurden. Hierdurch ergeben sich oft schon erhebliche Einsparpotenziale von 40 bis 50 %.
Sowohl für Neu- als auch Bestandsbauten gilt darüber hinaus: Elektronische Armaturen an sämtlichen Entnahmestellen sollten der Standard sein, da sie im Vergleich zu herkömmlichen Armaturen besonders sparsam sind. An hoch frequentierten Entnahmestellen sparen beispielsweise elektronische, berührungslose Waschtisch-Armaturen gegenüber regulären Einhebelmischern bis zu 70 % Wasser und Energie ein, da Wasser nur dann fließt, wenn sich Hände im Erfassungsbereich des Sensors befinden. An normal oder nur selten genutzten Armaturen sollte diese individuelle Einstellung der Armaturen jedoch unterbleiben, da sonst der bestimmungsgemäße Betrieb nicht zustande kommt. Dank der Option von Temperatursensoren und der Durchführung von Stagnationsspülungen oder vernetzt mit einem Wassermanagement-System wird der Erhalt der Trinkwassergüte auch bei reduziertem Wasserverbrauch bestmöglich unterstützt. Ein weiterer Vorteil berührungsloser Armaturen, der insbesondere für hochfrequentierte Gebäude wie Sporthallen von Bedeutung ist, ist die optimierte Nutzerhygiene.
Durch die Auslösung des Wasserflusses via Infrarot-Sensor wird das Risiko von Krankheitsübertragungen per Schmierinfektionen erheblich reduziert – und so die Gesundheit der Sportler bestmöglich geschützt.
Vorteile automatisierter Stagnationsspülungen
Ob in den Ferien, an langen Wochenenden oder aufgrund von saisonbedingten Pausen: Selbst in der betriebsamsten Sporthalle kommt es im Laufe des Jahres mal zum Stillstand.
In diesen Zeiten der Nichtnutzung der Trinkwasserinstallation muss der bestimmungsgemäße Betrieb simuliert werden, um den gesetzlich geforderten Wasserwechsel umzusetzen (TrinkwV §13 und VDI 6023 Blatt 1). Eine händische Durchführung der hierfür notwendigen Stagnationsspülungen ist für Betreiber von Sporthallen mit einem hohen Personal- und Zeitaufwand verbunden.
Denn um eine ausreichende Fließgeschwindigkeit von ca. 1 m/s und turbulente Strömung zu erzielen, müssen alle Armaturen manuell geöffnet und dann wieder geschlossen werden – und das gleichzeitig. Bei einer manuellen Umsetzung der Spülungen werden dadurch nicht nur wertvolle Arbeitszeit, sondern auch eine Menge Wasser und Energie – und damit auch Geld – verschwendet. Eine effiziente, hygienische und wirtschaftliche Alternative zur Umsetzung von Stagnationsspülungen per Hand sind Wassermanagement-Systeme, die dies automatisiert mit Gruppenbildung von mehreren vernetzten Armaturen gleichzeitig durchführen. Auch selten genutzte Entnahmestellen können mit automatisierten Stagnationsspülungen regelmäßig gespült werden. Somit stellen endständige Entnahmestellen keine Problemzonen in Form von Totleitungen mehr dar.

Systeme wie das Wassermanagement-System SWS des Armaturenherstellers Schell unterstützen Betreiber nicht nur effektiv beim Erhalt der Trinkwassergüte und somit beim Schutz der Nutzergesundheit, sie optimieren zugleich die gesamte Energieeffizienz des Gebäudes. Im Gegensatz zur manuellen Umsetzung der Stagnationsspülungen verbrauchen Wassermanagement-Systeme weitaus weniger Wasser und Energie, da der Server die Spülung über exakte Zeiträume bedienen kann. Dank der automatisierten Durchführung wird außerdem kein zusätzliches Personal benötigt. Die Stagnationsspülungen können stattdessen zentral per PC, Tablet oder Smartphone programmiert werden – eine erhebliche Arbeitserleichterung für Betreiber und Facility Manager von Sporthallen.
Ein weiterer Vorteil von Wassermanagement-Systemen ist die Funktion der lückenlosen Dokumentation aller Daten und Spülungen. So lässt sich jederzeit nachweisen, dass die nötigen Maßnahmen zum Erhalt der Trinkwassergüte getroffen wurden.
Hersteller wie Schell bieten ergänzend zum Wassermanagement-System auch Online-Services, die einen ortsunabhängigen Fernzugriff auf die Anlagen in mehreren Liegenschaften ermöglichen und beispielsweise auch die Planung von Wartungseinsätzen wie z. B. Batteriewechsel an den vernetzten Armaturen vereinfachen. Wassermanagement-Systeme wie das SWS von Schell eignen sich aufgrund flexibler Anschlussmöglichkeiten – ob per Funk und/oder Kabel, per Busleitung oder integriert in übergeordnete Gebäudeleitsysteme – sowohl für den Einsatz in Neubauten als auch zur Nachrüstung im Bestand.
Fazit
Durch Einsparungen im Warmwasserverbrauch und die intelligente Auslegung von Trinkwassersinstallationen lassen sich in Sporthallen sowohl Investitions- und Energiekosten als auch CO2-Emissionen senken. Oberste Maxime ist hierbei jedoch: Der Erhalt der Trinkwassergüte zum Schutz der Nutzergesundheit hat stets Vorrang vor Sparmaßahmen und muss auch vor dem Hintergrund saisonaler Nutzungsschwankungen unbedingt berücksichtigt werden. Um Trinkwasserhygiene und Wassersparen in Einklang zu bringen, bieten sich bei der Planung und dem Betrieb von Sporthallen zahlreiche Optionen. Im Neubau lassen sich enorme Einsparungen bei Investitions- und Betriebskosten sowie auch ökologische Verbesserungen durch wassersparende Entnahmestellen und die bevorzugte Nutzung von T-Stück-Installationen erzielen. Bei Bestandsgebäuden ergeben sich Einsparpotenziale durch eine Reduzierung der Temperatur am Austritt des Trinkwassererwärmers sowie verringerte Literleistungen an den Entnahmestellen.
Elektronische, wassersparende Armaturen sollten sowohl in neuen als auch bestehenden Sporthallen zum Standard gehören. Betreiber sind gesetzlich verpflichtet, spätestens alle 72 Stunden für einen vollständigen Wasserwechsel über alle Entnahmestellen zu sorgen, um einen Legionellenbefall durch Wasserstag-nation zu verhindern. Unterstützung hierbei bieten digitale Wassermanagement-Systeme: Trinkwasserinstallationen lassen sich damit weitaus effizienter und ressourcenschonender betreiben als über manuelles Spülen, da automatisiert umgesetzte Spülvorgänge viel genauer, wassersparender und ohne zusätzlichen personellen Aufwand möglich sind. Zusätzlich profitieren Betreiber von einer lückenlosen Dokumentation, mit der sie aufzeigen können, dass sie ihren Pflichten zum Erhalt der Trinkwassergüte nachkommen.










